Zu viel des Guten

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Zu viel des Guten

Zu viel des Guten

Chloé d'Aubigné

Dass es endlich losging. Als wollte ich es hinter mich bringen.
Aber er ließ sich Zeit. Seine Hand berührte mich zuerst einfach sanft. Dann glitt sie weiter, langsam. Nicht erkundend. Eher als wollte ich mir die Gelegenheit zu geben, das Fühlen zu üben zu beginnen. Ihn bewusst wahrzunehmen. Seine Wärme, seine Haut.
Etwas in mir regte sich. Ein alter Reflex: reagieren, erwidern, etwas für ihn tun. Nicht selbstsüchtig sein, sondern auch zurückgeben.
Ich hob die Hand, fast automatisch. Er fing die Bewegung ab, nicht brutal, aber bestimmt.
„Nein“, sagte er leise.
Ich ließ die Hand sinken. Aber es fühlte sich falsch an, so untätig zu sein. Als würde ich eine moralische Regel brechen, von der ich nie gewusst hatte, dass sie existierte. Ein Verhaltensmuster, das ich nie hinterfragt hatte. Und gleichzeitig war da etwas anderes – eine Art Erleichterung. Von mir wurde wortwörtlich nichts erwartet. Ich fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr.
Er küsste mich, langsam, ohne Drängen. Seine Lippen blieben einen Moment länger, als nötig gewesen wäre, als würde er mir Zeit geben, mich daran zu gewöhnen, ihn nicht zu küssen, sondern nur zu fühlen. Und einfach nichts zu tun.
Seine Hände wanderten weiter, fanden ihre Wege. Über meine Schultern, meinen Rücken, tiefer, wieder zurück. Kein Punkt wurde ausgelassen, nichts übersprungen. Er erkundete meinen Körper, stürzte sich nicht auf meine erogenen Zonen, sondern wollte mich in meiner Gesamtheit fühlen.
Mein Atem wurde flacher. Die Gedanken wurden leiser.
Als er mich hochhob und ins Bett trug, fühlte es sich natürlich an. Er entschied, ich folgte. Und fühlte. Ja, es fühlte sich gut an, gehalten und getragen zu werden – und dabei zu wissen, dass nichts erwartet wird. Außer dass ich mich auf dieses Experiment einlasse und einmal untätig bleibe.

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