Zu viel des Guten

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Zu viel des Guten

Zu viel des Guten

Chloé d'Aubigné

genießen.
Das liegt daran, dass man in der Schweiz kaum darum herumkommt. Man sieht sie einfach überall. Diese kleinen Auslagen, Kunstwerke hinter Glas, Arrangements, die mehr an Schmuckvitrinen erinnern als an Lebensmittel. Glänzende Oberflächen, klingende Namen und vielfältige Formen der Dekoration. Ich blieb oft schon früh davorstehen, auch damals, als ich noch nicht das Geld hatte, mir sie einfach so zu kaufen. Als ich für die Miete in der WG sparen musste und mein Essen aus Unmengen an Pasta und Reis bestand, weil dies am günstigsten war. Doch schon damals sah ich mir gerne diese Kunstwerke aus Schokolade an und redete mir ein, dass Anschauen schon eine Form des Genusses sei.
Natürlich kam dann auch bald die Zeit, da bekam ich diese Köstlichkeiten geschenkt. Und dann konnte ich mir sie sogar selbst leisten – für mich die Definition von Luxus, hätte man mich damals gefragt.
In dieser Zeit genoss ich diese Köstlichkeiten bewusst, hatte aber den Genuss nach meinen Regeln organisiert. Gute Schokolade nur am Wochenende. Und nur am Nachmittag zum Kaffee.
Das passte zu mir. Trank ich doch auch ein Glas Wein nur dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass es einen guten Grund dafür gab. Also, dass ich etwas zu feiern hatte oder dass der Tag gut genug gewesen war, um einen so würdigen Abschluss zu verdienen. Genuss hatte in meinem Alltag seinen Platz, aber ebenso war seine Begrenzung für mich normal, als ließe sich seine Intensität durch Verteilung und Limitierung intensivieren.
Ich kaufte mir die besten Pralinen, die ich finden konnte. Nicht oft, aber bewusst. Ich ging in kleine Confiserien, ließ mir Sorten erklären, nickte, stellte Fragen, die zeigen sollten, dass ich verstand. Zuhause legte ich die Schachtel an einen kühlen Ort, fast ehrfürchtig, als müsste ich sie vor mir selbst schützen.

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