Sie konnte nicht sehen, ob er es ernst meinte. Allerdings wäre er durchaus in ihrem Beuteschema. Vor einigen Monaten waren sie zu viert – oh vergangene Zeiten – in der Sauna gesessen. Er mochte kein Adonis sein, doch war an ihm alles dort, wo es hingehörte. Auch als Liebhaber war er nicht schlecht, wenn sie Marion glauben konnte. Jedenfalls hatte sie in einer schwachen Stunde einmal geplaudert und noch heute könnte sie rot werden, wenn sie daran dachte. Aber Phantasie und Realität waren zwei Paar Schuhe und das hier war echt.
„Ist es wirklich so schlimm?“, fragte sie etwas ratlos.
„Nun“, mischte sich Marion ein, „es war schon ein wenig viel in der letzten Zeit. Doch dazu hat man ja Freunde.“ Petra atmete erleichtert auf.
„Allerdings würde ich nicht so weit wie mein lieber Jan gehen. Auch wenn du in deinen Rachegelüsten ein wenig heftig bist, geht bei ihm wohl die männliche Phantasie durch.“
Jan war wirklich zu dreist, dachte sie. Schließlich bekam er nur den geringeren Teil von den Gesprächen der Freundinnen mit. Gerade die heißen Details sparte sie auf, wenn sie miteinander sprachen. Doch Petra hatte in ihrem Zorn auf Felix schon gewaltige Sprünge gemacht. Von Verlassen, den Rechner schreddern und ähnlichen Racheaktionen war es dann zu Phantasien darüber gekommen, ihm die Seitensprünge mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Ausführlich hatte sie in den Szenen geschwelgt, wie sich ein One-Night-Stand um ihre Lust bemühen würde – und es Marion bis in die Kleinigkeiten geschildert. Natürlich hatten sie dabei gelacht und die Schraube weiter gedreht. Im Moment war es ein Dreier mit zwei Männern, den sich Petra in den wüsten Träumen ausmalte. So absorbierte sie ihre Wut und betrog Felix in Gedanken. Dass aber Jan das so trocken kontern würde, hätte sie nicht gedacht. Doch die Vorstellung kannte sie. Manchmal teilte sie mit ihrem Freund erotische Phantasien und dass dazu auch das Liebesspiel mit einer Frau gehörte, wusste sie.
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