„Und so wie Du Papa hast, hat Jeanine die Caro?“
Olivia war froh über die Erkenntnis ihrer Tochter und bestätigte ihr: „genauso ist es!“
Scheinbar differenzierte die Sechsjährige die Geschlechterrollen. Denn so wie bei den Anderssons Olivia, so ist bei den Schweizerinnen Jeanine die „weiblichere“. Oder war es reiner Zufall, wie Clara die Zuteilung getroffen hatte?
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Leon (ein kurzes Portrait):
Leon ist ein aufgeweckter Junge und mit seiner liebenswert-frechen Art versteht er es blendend, Leute um den Finger zu wickeln. Dass seine Erinnerung an seine leibliche Mutter zusehends schwand, stellten in letzter Zeit nicht nur seine Adoptiveltern fest.
Der Blondschopf fühlte sich pudelwohl bei den Anderssons und genoss nun seine Kindheit. Die Streitigkeiten im Kinderheim um Spielzeug und andere Dinge, die einem Drei- beziehungsweise mittlerweile Vierjährigen wichtig erschienen, waren ebenso aus seinem Gedächtnis verflogen wie die ärmlichen Umstände seiner ersten Lebensjahre.
Es war schrecklich und absolut unverständlich für den damals Dreijährigen, dass er nicht mehr nach Hause durfte und dass seine Mama plötzlich weg war. Überall fragte er nach ihr, aber niemand konnte oder wollte ihm sagen, wann sie wiederkommt. Er kam mit seiner Schwester zusammen in ein Haus mit vielen anderen Kindern. Immerhin ließ man ihn mit Clara zusammen ein Zimmer bewohnen. Mit ein wenig von seinem Spielzeug.
Clara. Viele Male lagen sie zusammen in einem Bett. Seine Schwester versuchte ihm beizubringen, dass ihre Mutter gestorben sei und sie nur noch sich haben würden. Wie oft hatte er Wutausbrüche und war traurig? Frau Müller, sie war ganz nett und hatte viel und oft mit ihm gesprochen. Aber verstehen konnte er nicht, was passiert war. Und dann war da plötzlich Livia. Wie aus dem Nichts. Diese Frau interessierte sich für ihn und für seine Schwester. Sie ging mit ihnen Einkaufen und er durfte sich Dinge aussuchen.
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