Natürlich wollte ich auch ein bisschen Vorbild sein, daher: Keine flüchtigen Liebschaften. Wenn bei uns beiden die Sehnsucht zu groß wurde, dann haben wir … Uups, ich quatsche zu viel!“ Sie verstummte und ich bohrte lieber nicht nach; ich konnte mir vorstellen, wie der Satz weiterging. Wenn sie erzählen wollte, würde sie es schon tun. Danach setzte ‚Schläfriges Glück‘ ein; alle Tristesse war für eine kleine Weile wie weggeblasen. Morgen würden wir noch mal einen gefährlichen Tag haben. Insofern war es gut, dass wir, die Körper immer noch eng aneinandergeschmiegt, schnell vom Wachsein in den Schlaf hinübergeglitten waren, ohne noch lange über unsere Rückreise zu grübeln.
Wir brachen in aller Früh los und fanden die alte Route quer durch das verbuschte Land wieder. Wir hofften, hier weit abseits befahrbarer Wege nicht einer Menschenjägerstreife in die Arme zu laufen. Solange sie mit dem Pickup unterwegs waren, hatte ich da auch keine größeren Bedenken; sie würden uns früh genug hören. Aber was wäre, wenn sie zu Fuß unterwegs wären oder – noch schlimmer – irgendwo Horch- und Lauerposten bezogen hatten, in einem Erdbunker oder einem getarnten Unterstand? Wie am Vortag mieden wir alles, was wie ausgetretene Pfade aussah. Wenn überhaupt würde sie diese Schleichwege überwachen; sie hatten da gar Minen ausgelegt.
Nichts Dramatisches passierte, wenn auch jedes Knacken im Unterholz unsere Herzen in die Hose rutschen ließ. Es durfte einfach nichts passieren, denn die Knaben machten ganz offensichtlich keine Gefangenen. Am Nachmittag hatten wir uns durchgekämpft und die tote Zone hinter uns gelassen. Wir übernachteten wieder an der Straßengabel 138te/165te und ließen mal die Finger voneinander. Dafür saßen wir tiefenentspannt vor dem Haus, bis die Sonne unterging, und erzählten uns aus dem bisherigen Leben.
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