Zurück zum Zug

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

6 5-9 Minuten 0 Kommentare
Zurück zum Zug

Zurück zum Zug

Reinhard Baer

Ich erzählte ihr von Sandra, von Jill, und erst recht Linda erzählte ich nichts.

Am nächsten Tag brachen wir erneut früh auf, obwohl es gar nicht nötig gewesen wäre, denn wir hatten nur etwa 30 Meilen bis zum Abstellplatz des Zuges. Falls er noch an der Stelle stand, wo wir ihn verlassen hatten! Sonst hätten wir uns ein Nachtquartier suchen müssen, und das machte man besser rechtzeitig. Wir ritten an Voluntown und Glasgo vorbei, durchquerten Preston City und Ledyard. Überall die gleiche halbanarchische Ödnis. Es wurde Zeit, dass in diesem Landstrich wieder Ordnung einkehrte. Unsere Handfeuerwaffen hatten wir stets griffbereit und entsichert im offenen Holster. Als wir die Möwen am Thames River hörten und die Seeluft des Atlantiks schnupperten, wussten wir, dass wir richtig waren, und als wir zum Tanklager einbogen, sahen wir ihn: den Zug.

Als wir den Zug erreichten, war nur die Zugwache vor Ort. Die Türen der Güterwagen für die Buggies waren aufgeschoben und die Rampen angelegt. Die Jungs waren also noch auf Tour. Neben dem Zug vor Wagen 5 war ein großer Sendemast aus Fertigteilen aufgebaut, an dem die Richtfunkantennen hingen. Ein Bündel Kabel verschwand im Wagen in der ‚Funkbude‘. Freddy, einer der Unterführer, ein hochgewachsener junger Mann mit rötlichem Haar und Sommersprossen, ganz offensichtlich Nachfahre irischer Einwanderer, begrüßte uns. Er ließ sofort einen Kaffee und etwas zu essen zubereiten, das wir dankbar verschlangen.

Wir waren gerade fertig mit unserem Imbiss, da näherte sich ein Motorengeräusch dem Zug, was aber keinen der Männer auf den Wachstationen in Alarmstimmung versetzte. Wir kannten die Geräusche unserer Buggies und traten vor den Kantinenwagen.

Und schon fuhren sie vor: 12 Männer auf sechs Buggies, völlig eingestaubt. Nur die Gläser ihrer Staubschutzbrillen glänzten in der Sonne. Terry sprang ab und kam uns entgegen. „Kris, Rick, ihr seid zurück, nach nur 8 Tagen und in einem Stück …! Schön. Wir sprechen morgen, war ein langer Tag – auch für uns.“ Er schaute auf seine verdreckten Klamotten herunter, an denen auch der eine oder andere Blutspritzer klebte. „Wir treffen uns morgen Zehnhundert zur Einsatzbesprechung.“ „Sir“, ich deutete einen Gruß an und wollte gehen, da fiel mir noch etwas ein. „Ach, ich bräuchte Kartenmaterial, um meine Erkenntnisse niederzulegen.“ Ich hatte schließlich unterwegs nichts notiert und musste das Erkundete jetzt schnell dokumentieren, bevor es mir aus dem Gedächtnis geriet. „Guter Gedanke, mein Adjutant wird dir Kartenmaterial geben“, erwiderte Terry. „Hudson …!“

Hudson, ein blasser, stiller Junge von höchstens 19, verschwand im Dienstraum des Commanders und kam nach wenigen Minuten mit einem Stapel Kartenmaterial zurück. Ich ging zunächst zu Jacob, unserem Zahlmeister, und gab die unverbrauchten ‚Reisespesen‘ zurück und rechnete die Einnahmen bei Big Jack ab, abzüglich des Anteils für meine Waren natürlich. Ordnung muss sein!

Dann genossen Kris und ich erst einmal das warme Wasser, mit dem wir uns waschen konnten, und dann setzte ich mich an den kleinen Klapptisch in meinem Abteil, um die Karten auszuwerten und meine Erkenntnisse hineinzuschreiben. Danach kam ich auf dem Bett liegend ins Grübeln; eine Leere überfiel mich.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 438

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben