„Freitag? Innenstadt? Nenne mir deine Faktoren.“
Ich lächle. Der Puls geht schneller. Die sterile Bürozeit hat einen kurzen, aber verführerischen Bruch bekommen. Ich schreibe nicht sofort zurück, lasse den Satz nachhallen. Vielmehr will ich die Vorfreude und das Kribbeln, die durch diesen Satz ausgelöst wurden, genießen. Überlege, was meine zwei Faktoren diesmal sein werden – jene kleinen Zeichen, an denen man mich erkennt. Vielleicht ein Halstuch mit feinem Muster. Vielleicht eine Antwort, die nur ich geben würde.
Am Abend werden die Büros leer, die Stimmen verschwinden. Ich packe meine Sachen zusammen, gehe hinaus in die Stadt. Draußen riecht die Luft anders – wärmer, aufregender. Zuhause öffne ich ein anderes Notebook, starte das VPN, wähle mich ein – in mein zweites Leben. Dort bin ich nicht Support-Mitarbeiterin, sondern mein eigenes Sicherheitsrisiko.
Die Regeln des Forums sind klar. Keine Authentifizierung, kein Zugriff – im virtuellen, aber auch im realen Leben. Zwei Faktoren, um sicherzugehen, dass kein Irrtum, keine falsche Identität ins Spiel kommen. Im realen Leben sieht dies wie folgt aus: Faktor 1: Ein Kleidungsstück. Auffällig genug, um zu erkennen – unauffällig genug, um niemandem sonst aufzufallen. Ein Halstuch mit einem versteckten Muster. Eine Haarspange, die in der U-Bahn wie Schmuck aussieht, im Hotelzimmer aber ein Zeichen ist. Ich liebe dieses Spiel. Es ist Kunst, Tarnung, Vorspiel zugleich.
Faktor 2: Eine Antwort. Ein Wort, sinnlos für Außenstehende. „Igel“ auf „Wie spät?“ oder „Autobahn“ auf „Wie geht’s?“. Der Code, der mich identifiziert – mich als die, die sich erkennen lässt. Dieser Moment, wenn ich das Wort ausspreche und mein Gegenüber weiß, was es bedeutet… das ist der eigentliche Zugang. Kein Passwort der Welt ist intimer.
Zwei-Faktor-Authentifizierung
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