In manchen fruchtlosen Nächten, wo mich der Bildschirm abweisend und leer anstarrte, oder der begonnene Satz abrupt abbrach und seinen Sinn verlor, trat ich hinaus auf meine Terrasse und starrte in den Mond und zu den Sternen hinauf. Gegenüber war es ruhig und es schien unbewohnt zu sein. Einmal bemerkte ich schon vereinzelte tanzende Lichter auf dem Dach, die sich aber schnell wieder in beweglichen Schatten verloren.
Einstein verkroch sich in dieser Nacht unter der Kaminbank und fauchte aus sicherer Entfernung auf einen unsichtbaren Angreifer, während er sonst sein Plätzchen oben auf der Ofenbank für sich in Beschlag genommen hatte und mich von dort dauernd mit seinen unergründlich grünen Augen beobachtete. Nur hin und wieder schloß er sie für einige Sekunden. Ich konnte beobachten, dass noch bevor sich der Wind erhob und diese unheimliche Musik erklang, sein Schwanz unruhig hin und her ging, sich seine Ohren aufrichteten und unentwegt bewegten. Er hörte offenbar schon lange vorher diese ganz feinen Töne.
Dann gab es diesen denkwürdigen ersten Kontakt.
Der Raum war dunkel, im Kamin knisterte das Holz und ich nahm, mir noch immer unbekannte Geräusche in dem großen Raum wahr. Mein Schreibtisch stand nahe an der Türe zur Terrasse und ich hatte in dieser Nacht schon einiges geschafft. Ein leichter Windstoß bewegte plötzlich den Vorhang vor der Balkontüre und ich hob meinen Blick. Bewegte sich da nicht etwas am Verbindungssteg zum Nachbargebäude? Die vom Herbstwind getriebenen Wolken verwehrten teilweise dem Mondlicht den Steg zu erhellen. Doch ja, da stand eine weibliche Gestalt, eingehüllt in einen weiten langen Umhang und schaute zu mir herüber. Der Wind spielte in ihrem langen, schwarzen Haar, ließ die Mähne sich aufbauschen und da, sie hob die Hand, winkte. Ich stand auf und trat neugierig auf die Terrasse hinaus. Sie winkte wieder und es sah nach einer Aufforderung aus, zu ihr hinüber zu kommen.
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