Und da saß er: Sebastian. Auch allein. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns den Rest des Abends sehr angeregt. Er war zwei Jahre älter als ich, arbeitete als Manager und war zum Abspannen hier, wie er sagte. Tagsüber fuhr er zum auspowern mit seinem Rennrad hinauf in die Berge Richtung
Puigpunyent. Da sei Ausgleichssport zu seinem Bürojob, berichtete er. Er war sehr nett, aber er versuchte nicht einmal mir den Hof zu machen, obwohl er angegeben hatte Single zu sein. Es war einfach nur ein netter Abend. Als ich zum Hotel aufbrach, begleitete er mich bis vor die Tür. Mehr nicht. Zum Abschied gab er mir die Hand, kein Bussi Bussi auf die Wangen, nichts! Das war schon fast süß.
Ich wagte es: „Morgen Abend, gleiche Zeit, gleicher Ort?“ – „Gern“, sagte er, und weg war er.
Mein Ehrgeiz war geweckt. Den würde ich doch wohl rumkriegen! Anett musste wieder allein losziehen. Sie nahm es mit Fassung. Hatte auch diese Nacht nicht in ihrem Bett geschlafen und schon Augenringe wie ein Panda. Als ich ihr das sagte, mussten wir beiden lachen. „Das war es wert,“ entgegnet sie nur trocken und ein wenig versonnen, „das war es wirklich wert.“
Als ich im Lokal eintraf, saß Sebastian bereits da. Es war sein letzter Abend auf Malle, in der Frühe ging sein Flieger. Unserer ging nachmittags. Wir unterhielten uns wieder sehr angeregt. Ich erfuhr, dass er in einer Mittelstadt nur 50 km entfernt von mir lebte und arbeitete und vieles andere mehr. Je weiter der Abend vorrückte, desto kribbeliger wurde ich. Der machte überhaupt keine Anzeichen mir auf den Pelz zu rücken, wo es mein Pelz doch mal ziemlich nötig hatte und ich ihn doch süß fand und hier auf der Insel wenigstens einmal gut bedient werden wollte.
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