Er brachte mich zum Hotel. Diesmal gab er mir einen Kuss auf die Wange, „vielleicht sieht man sich mal“, steckte mir etwas in die Hand und ging schnell weg. Ich schaute verblüfft hinterher. Der war ja schüchtern! Wie niedlich! Hatte nicht mal ansatzweise versucht auf einen Sprung mit hochzukommen. Als er endlich um die Ecke gebogen war, schaute ich in meine Hand. Das Papier hatte dort schon die ganze Zeit wie Feuer gebrannt. Eine Visitenkarte: „Sebastian K … Sales Manager…“ Dann die Firmendaten und eine Handynummer.
Anett war noch nicht zurück. Ich schmiss mich aufs Bett und riss mir meine Sachen vom Leib. Ich war aufgewühlt wie selten. Hatte ich meinen „Mr. Right“ gefunden, einen klugen kultivierten Mann? Ich wusste es nicht, aber in meinem Kopfkino hatte ich. Ich sah ihn vor mir knien, seine Hände an meiner Scham, tastend, erkundend, … ich konnte es spüren, wie er zart alles streichelte, jegliches forsche Vorgehen und Eindringen vermeidend. Meine Musch lief über, alles fühlte sich heiß und geschwollen an. Jetzt hatte er eine Hand an meiner linken Brust …
Da ging die Tür auf. Anett kam herein.
“Oh, so geht es natürlich auch …“ überspielte sie mit ihrer Fröhlichkeit jeglichen peinlichen Moment. „Du, ich geh gleich mal ins Bad, mich frischmachen“ und weg war sie.
Ich verstand, sie gab mir Gelegenheit, die Sache zu Ende zu bringen. Und das tat ich auch. Das aufgestaute Verlangen von zwei Abenden musste entweichen können. Ich schloss die Augen und mein imaginärer Sebastian nahm seine Körpererkundung wieder auf. Überall auf meinen Körper kribbelt es, als seine Fingerspitzen mich erforschten, jeden Winkel meiner Brüste und meiner Scham, aber auch die Kniekehlen, die Oberarme, meinen Bauch.
Seine Bewegungen wurden robuster und ‚ich übernahm‘. Schnell und zielsicher brachte ich mich zum Höhepunkt.
Im Anschluss gönnte ich mir ‚ne Minute. Die kühler werdende Nachtluft durchströmte das Zimmer durch den geöffneten Balkon und kühlte meinen erhitzten schweißnassen Körper. Ich stand auf, streifte mir mein Nachthemd über und erlöste Anett im Bad. Die hatte vor lauter Verlegenheit schon angefangen ihre Nägel zu feilen, um etwas Sinnvolles zu tun.
„Und?“ fragte sie – „Erzähl ich dir morgen.“
*****
Ja, so war das damals auf Malle gewesen. Der Gedanken, dass seine zurückhaltende Art mir damals eine Warnung hätte sein sollen, kam mir kurz, aber erst einige Jahre später beim Schreiben dieses Textes. Und ich verwarf ihn gleich wieder.
Was noch alles an Komplikationen über mich hereinbrechen würde, wusste ich ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und damit zurück in den Alltag. Ich komplettierte noch schnell meinen Tagebuchbucheintrag für den 19. Juni 2017
(…) Mit meinem Schlüpfer-Köder hat es wieder nicht geklappt.
Sebastian hat mich gestern Abend nicht mehr ‚angefallen‘.
Obwohl …, ich bin irritiert: Der Slip lag heute Morgen
‚zugeklappt‘ im Wäschekorb.
War er nur ‚diskret‘ und wollte, dass ihn so keiner sieht,
falls unerwartet jemand zu Besuch kommt oder …?
Und warum war er überhaupt noch mal nach dem Bad
für 10 Minuten in seinem Arbeitszimmer…? –
Die Schreiberei hat mich geil gemacht…,
… aber es ist keine Zeit mehr, muss Karla holen.“
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.