Zwiegespräch mit einem Freund

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Zwiegespräch mit einem Freund

Zwiegespräch mit einem Freund

Patricia Lester

Verdiente er nicht wenigstens manchmal ein wenig Verständnis, Zurückhaltung oder einen Funken Anerkennung? Doch hier war er fehl am Platz. Er konnte kaum noch den letzten Worten folgen.
„Sie verletzten die vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften, tragen keine Schutzkleidung, hinterlassen überall Spuren, die dann die Putzfrau zu beseitigen hat. Sie haben bisher keine einzige Doppelstunde übernommen, verlassen vielmehr Ihre Stelle, ohne mit der vorgeschriebenen Minimalleistung fertig zu sein. Stimmt das?“
Die Worte drangen in Pete ein. Er hatte sich nie als Versager gefühlt. Im Gegenteil, er hatte gedacht, dass er mit allem über der Norm läge. Wenn er nur gehen und all das hinter sich lassen könnte! Doch die Gnade war ihm nicht beschert. Jetzt drang noch ein höhnisches Lachen an sein Ohr. „Sie wollen mich um etwas bitten, Sie Null, Sie Kneifer, der so manches Mal beobachtet worden ist, wie er mit einem prallen Sack das Haus verließ? Wohin sind Sie gegangen? Was trugen Sie weg? Bei wem haben Sie es gelassen?"
Pete wollte nur noch sterben, als er die letzten zynischen Sätze hörte: „Gehen Sie doch in Rente, oder fragen Sie die Kreishandwerkerschaft, ob die Ihnen helfen kann, falls Sie bei dieser versichert sind. Ansonsten tut es mir Leid. Früher waren Sie mal ganz brauchbar.“ So war das Gespräch verlaufen. Eigentlich schade, dass es so viele Männer gab, die in einem trauten Zwiegespräch mit ihrem Pete erkennen mussten, dass sie irgendetwas falsch angefangen hatten. Robert fühlte sich allein und im Stich gelassen, nicht nur von Pete, sondern auch von Silvie, die ihm all das mit höhnischer Stimme vorgehalten, auf seine Einwände nicht reagiert hatte und jetzt weg war. Doch Pete gehörte ihm, nur ihm allein, und Robert streichelte ihn, wie um sich und auch ihn zu trösten. Und da wachte er auf, sein Freund, wurde stark und tatendurstig und war bereit für einen neuen Job, für jede Herausforderung, für einen Full-Time-Job, einfach für alles.Robert stand auf. Er und Pete waren die Größten.

 

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