Zwischen Tod und Auferstehung - Teil I

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Zwischen Tod und Auferstehung - Teil I

Zwischen Tod und Auferstehung - Teil I

Gero Hard

Ich drückte noch mal in der Hoffnung, endlich würde jemand kommen und mir erklären, wo ich bin. Ich wollte nach Hause, weg von hier, wo es nach Desinfektionsmittel, frisch gestärkter Bettwäsche und Kernseife roch.

Ich sah in die Richtung, aus der das leise Quietschen zu hören war. Im selben Moment blendete mich grelles Neonlicht vom Flur. „Na, Herr Stolberg, ausgeschlafen? Wie fühlen Sie sich?“

Die Stimme klang freundlich und sanft. Ihr Gesicht lag im Schlagschatten des Lichts. Ein paar Schritte später stand sie neben meinem Bett und fühlte meinen Puls an der Halsschlagader.

„Es geht. Etwas matt und träge. Wo bin ich?“

„Sie sind im Krankenhaus. Sie haben versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden, erinnern sie sich?“

Sofort waren die Bilder von meiner Frau wieder präsent, wie sie mich im Gesundheitsamt ansah, meine Hilflosigkeit.

Tina war gestorben. Die Wundmale an meinen Handgelenken erinnerten mich schmerzhaft daran.

Schlagartig war sie wieder da, die Aussichtslosigkeit. Noch vor ein paar Tagen hatten wir uns gesagt, dass wir ohne einander nicht leben können würden. Und so ist es auch. Ohne sie machte das Leben keinen Sinn mehr für mich.

Ich fing an zu weinen. Die Tränen liefen unaufhörlich aus meinen Augen, so wie schon in unserer Wohnung.

„Wie spät ist es?“, wollte ich mit zittriger Stimme von der Schwester wissen.

„Kurz nach halb 3.“ 

„Dann ziehen Sie bitte die Vorhänge auf, ich möchte Tageslicht sehen.“

„Es ist Nacht Herr Stolberg. Das Beruhigungsmittel hat Sie fast 14 Stunden schlafen lassen.“

„Ich will nach Hause!“, bestimmte ich fast ärgerlich.

„Daraus wird nichts, Herr Stolberg. Sie haben versucht sich das Leben zu nehmen. Das ruft immer eine stationäre Aufnahme und eine psychologische Behandlung auf den Plan. Morgen früh wird sich ein Arzt mit Ihnen unterhalten. Bis dahin werden Sie sich gedulden müssen. Am besten, Sie versuchen sich zu beruhigen und schlafen noch ein wenig.

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