Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.“
„Meine Frau ist tot, was soll da morgen besser sein? Was wissen Sie schon … dieser Scheißvirus hat mir das Liebste genommen, was ich hatte.“, heulte ich.
„Das tut mir sehr leid. Ich verstehe, dass es Ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Aber glauben Sie mir, man kann Ihnen helfen und Sie in Ihrer Trauer begleiten. Wie Ihnen, geht es vielen in dieser Zeit.“
„Ich durfte sie nicht mehr sehen, sie nicht berühren, ihr keinen Kuss mehr geben. Es kam so plötzlich. Ihr letzter Blick … er war so grausam. Es ging ihr schlecht und ich konnte ihr nicht helfen, dabei hatte ich es ihr doch versprochen. Sie zu beschützen und immer für sie da zu sein. Und nun habe ich versagt. Ein blöder Virus, den man nicht sehen kann, war stärker als ich. Ich bin ein Looser, ein nichtsnutziger Versager.“
„Nein, das sind Sie ganz sicher nicht. Warten Sie, ich gebe Ihnen noch eine kleine Tablette und dann geht es Ihnen etwas besser.“
„Ich will keine von Ihren Drogen.“
„Glauben Sie mir, es wird das Beste für Sie sein.“
Sie hatte recht. Es ging mir danach besser. Die Pille hatte es geschafft, meine Gedanken und die fürchterlichen Bilder in meinem Kopf abzuschalten. Sie hatte es sogar geschafft, mich wieder müde zu machen. Was aber blieb, war der Schmerz, den das Pulsieren des Blutes in den frischen Wunden verursachte.
Meine Augen sahen noch, wie das grelle Licht langsam blasser wurde, als die Schwester die Tür hinter sich zuzog.
Die nächste Woche musste ich noch allein verbringen. Meine Corona-Quarantäne wurde durch mehrere PCR-Tests in den folgenden Tagen beendet.
Mein Tagesablauf wurde weiter durch die Klinik bestimmt. Ich durfte Spaziergänge im Park machen, meistens begleitet durch eine Pflegekraft, oder musste mich in quälend langen Sitzungen bei einem grauhaarigen Psychologen bohrenden Fragen stellen.
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