Meine Arbeitskollegen fingen mich ebenfalls auf, unterstützten mich, wenn meine Leistung deutlich hinter dem gewohnten Maß zurückblieb oder halfen mir, wenn Termine eingehalten werden mussten, redeten mit mir, wenn sie mich mal wieder am Boden sahen, oder besuchten mich abends, damit ich nicht alleine war und ins Grübeln kam.
Ich gebe es ehrlich zu, wenn ich meine Familien, meine Kollegen und unsere gemeinsamen Freunde nicht gehabt hätte, ich hätte es nicht geschafft.
„Du solltest dir noch ein paar Gespräche beim Profi gönnen.“, versuchte mein bester Freund und liebster Kollege Gero mich zu ermutigen.
„Wie meinst du das … Profi?“, konterte ich.
„Ein Psychologe. Wir glauben alle, es würde dir gut tun und könnte helfen, besser über deinen Verlust hinwegzukommen?“
„Ich bin doch nicht verrückt. Ich brauche doch keinen Seelenklempner!“, gab ich mich entrüstet.
„Doch mein Bester, den brauchst du. Dein Herz und deine Psyche haben einen ziemlichen Knacks bekommen. Ein bisschen Hilfe kann nicht schaden. Du bist nicht mehr der alte Leon, den wir hier alle schätzen und mögen und den wir
gern zurück hätten, verstehst du?“
„So schnell kriegt man doch bei Fachärzten nie einen Termin. Kennst du doch, da wartet man schnell ein Jahr.“
„Ich weiß von meiner Frau, dass sich hier in der Nähe eine neue Psychologin niedergelassen hat. Sie hat bestimmt noch Termine frei und nimmt neue Patienten an. Versuch doch mal. Dr. Freya Angerer, in der Bürgermeister-Scholl-Straße. Ich war so frech und hab dir schon mal die Telefonnummer rausgesucht. Überleg’s dir! Würde mich freuen.“
Damit legte er mir einen Zettel auf die Tastatur, klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter und verschwand wieder an seinen Schreibtisch. Ich sah ihm ne Weile nach und schüttelte ungläubig den Kopf. War es so offensichtlich, dass es mir auch nach vier Wochen noch nicht gut ging? Hatte ich mich wirklich so verändert?
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