Ach ja, Sie haben eine liebe Tochter. Grüßen Sie sie schön von mir.“
Er steht auf, geht langsam zur Tür. „Danke, ich finde allein raus.“ Damit geht er auf den Flur und kurze Zeit später höre ich die Praxistür ins Schloss fallen.
Ich hatte mit einer Diskussion gerechnet, darauf gehofft, dass er mich darum bittet weiterzumachen. Nichts dergleichen passiert. Das Einzige was von ihm bleibt, ist dieser unglaubliche Duft im Raum und sein letzter Eindruck in meinem Kopf. Nicht einmal eine Verabschiedung konnte er sich abringen. Er ist enttäuscht, das war nicht zu übersehen. Aber ein Tschüss, Ciao oder auf Wiedersehen wäre schon höflich gewesen. Ich war es schließlich auch.
Es ist gut, dass er mein letzter Termin für heute war.
Das Praktische an meinem Beruf ist, dass ich keine speziellen Praxisräume brauche. Ein in sich abgeschlossener Teil meiner Wohnung ist gleichzeitig Praxis. Jetzt brauche ich ein heißes Bad zur Entspannung. Ein paar Duftperlen in die Wanne und einige Kerzen, ein gutes Buch und ein Glas Rotwein, für das es eigentlich nachmittags um halb vier viel zu früh ist. Nadine ist mit ihren Mädels unterwegs, also habe ich alle Zeit der Welt.
Leon: Die letzten Tage vergingen relativ schnell. Es gab genug Arbeit, die mich ablenkte. Abgesehen vom vergangenen Dienstag dachte ich nicht mehr an Frau Doktor Freya Angerer. Aber mit jedem Meter, mit jedem Schritt, dem ich jetzt ihrer Praxis näher komme, werde ich nervöser und mein Puls schneller.
Die letzten Stufen. Ein junges Mädchen sitzt am Telefon und spricht. Sie nickt kurz zur Bestätigung, nachdem ich
meine Begrüßung losgeworden bin. Das muss Nadine, die Tochter von Frau Angerer sein, die ich schon mal am Telefon gehabt habe. Für eine Angestellte ist sie auf jeden Fall zu jung. Sie macht das gut am Telefon, schon fast wie eine gelernte Kraft.
Niedlich sieht sie aus. Ihre Augen, die Nase und das Kinn hat sie von ihrer Mutter geerbt.
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