Sie sagt was, aber ich höre ihr nicht mehr richtig zu. Was ankommt ist, dass sie nicht weitermachen will und sie eine Überweisung ausstellen will. Wusste ich’s doch!
Ich bedanke mich für ihre „Hilfe“, die eigentlich keine war und gehe ohne weitere Diskussionen aus der Wohnung. Einerseits bin ich enttäuscht von Frau Doktor, weil sie mich so einfach abserviert hat. Aber anderseits kann ich sie verstehen. Vermutlich hat sie recht damit, wenn sie sagt, dass eine gewisse spannungsgeladene Befangenheit zwischen uns entstehen würde. Aber schade ist es dennoch. Jetzt, wo ich weiß, dass es eine Doppelgängerin von Tina gibt, hätte ich sie gern wiedergesehen. Vielleicht … nein, den Gedanken denke ich besser nicht zu Ende! Wenn ihr Ex nicht so gute Erinnerungen bei ihr hinterlassen hat, ist sie sicher froh, mich nicht wiedersehen zu müssen. Obwohl, was sagte Nadine: „… Mama war ziemlich von der Rolle…“
Nun ja, es ist, wie es ist. Das war jedenfalls ein lupenreiner Rauswurf. Ganz sicher werde ich ihr nicht hinterherlaufen. Und auch keinem anderen Angehörigen ihrer Zunft. Im Krankenhaus konnte ich nicht weg, aber hier, in freier Wildbahn, kann mich niemand zwingen.
Ich will nach Hause, in meine eigenen vier Wände. Schon viel zu lange bin ich meinen Eltern zur Last gefallen. Es wird langsam Zeit, dass ich wieder auf meinen eigenen Füßen stehe. Das Leben geht weiter, so oder so.
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Der Weg zu meinen Eltern führt mich am Friedhof vorbei. Wie magisch fahre ich auf den Parkplatz vor der kleinen Kapelle. Ein mulmiges Gefühl zieht in mir auf. Es ist, als würde mir übel werden. Zusammen mit Spannungen in der Brust, die mir das Atmen schwer machen.
Ich war schon oft hier, anfangs fast jeden Tag, aber noch nie alleine. Immer hatte ich einen oder beide Elternteile bei mir. Jeder Schritt fordert meine ganze Kraft, nur mein eiserner Wille treibt mich vorwärts, die frisch geharkten Wege entlang.
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