In den Gängen habe ich nicht nur die Zeit, sondern auch völlig den Überblick verloren.
Mühsam schleppe ich den Einkauf nach oben, verstaue alles in den Schränken und bin stolz auf meine Leistung. Ein späterer Abgleich zwischen Einkauf und Zettel ergibt, dass ich das Wichtigste vergessen habe: Nudeln.
Was anderes kann ich aus dem Gedächtnis heraus nicht kochen, aber wofür gibt es Kochbücher …
Die Einkaufsorgie gehört bestimmt auch künftig nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Schon gar nicht bei diesen Temperaturen. Verschwitze Menschen, genervt, manche ratlos und von der Vielfalt überfordert. Nur eines verbindet alle diese Menschen, mich inklusive: Sie wollen so schnell wie möglich hier raus. Raus an die frische Luft, raus aus der Enge, endlich weg mit der Maske, die uns allen zusätzlich das Atmen schwer macht und die Brillen beschlagen lässt.
Nach langer Zeit darf die Außengastronomie wieder öffnen. Eine Tagesbelohnung in Form eines Eisbechers und einem gepflegten Kaffee sollte drin sein. Ich kenne ein gutes Eiscafé. Ich sitze, wie schon oft, in der äußersten Ecke, seitlich durch eine gut gestutzte Buchenhecke geschützt, mit der Tageszeitung in den Händen.
„Hallo, Herr Stolberg …“. Die Stimme kommt mir bekannt vor. Nur meine Augen lösen sich aus dem Artikel über die neuesten Impfzahlen und Corona-Mutationen und sehen in das strahlende Gesicht von Nadine Angerer.
Es entwickelt sich eine kleine Unterhaltung, nachdem ich sie zu einem Eis eingeladen habe.
Die ganze Zeit versucht sie zu lächeln und wenn sie spricht versucht sie besonders nett zu sein. Aber sie spielt oft nervös mit ihren Fingern und sie sieht häufig verlegen nach unten. Etwas liegt wie ein Schatten auf ihrem Herzen und bedrückt sie. Sie ringt mit sich, ich sehe es genau, sucht nach Worten, traut sich nicht zu sagen, was sie vielleicht auch nicht in Worte fassen kann.
„Geht es um deine Mama?
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