Zwischen Tod und Auferstehung - Teil I

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Zwischen Tod und Auferstehung - Teil I

Zwischen Tod und Auferstehung - Teil I

Gero Hard

„Das sage ich ihr gern. Übrigens, ich finde Sie nett und Mama …“

„Was ist mit deiner Mama?“

„Ach nichts, ich dachte nur grad.“

„Nadine, du bist ein nettes Mädchen, aber manchmal sprichst du in Rätseln.“

„Das tut mir leid, aber ich kann Ihnen im Moment nicht mehr zu meiner Mama sagen. Es ist … es ist einfach zu privat.“

„Schon gut. Es geht mich ja auch nichts an.“

„Doch, eigentlich tut es das, nur kann ich jetzt nicht darüber reden. Kann ich Sie was fragen?“

„Klar, schieß los.“, zucke ich mit den Schultern.

„Wie finden Sie meine Mutter?“

„Oh wow, das ist aber sehr direkt. Ich will es mal so ausdrücken: Es ist nicht nur die Ähnlichkeit zu meiner Frau, ich ertappe mich dabei, wie ich sie miteinander vergleiche. Abends sehe ich Bilder vor meinen Augen, welche von meiner Tina und auch welche von deiner Mutter und das verwirrt mich. Deine Mama ist bestimmt eine tolle Frau und eine gute Mutter.“

„Ja, das ist sie. Und meine beste Freundin ist sie auch. Und nur zu Ihrer Beruhigung: Sie ist auch verwirrt. Sogar mehr als das. Aber jetzt muss ich los. Vielen Dank für das Eis und den Chai. Es ist wirklich schade, dass wir uns nicht mehr sehen werden, ich finde Sie echt nett.“

Sie steht auf und zupft sich ihr Crop Top zurecht, dass hoch zu rutschen droht. Die feine Kette, die an ihrem Bauchnabelpiercing baumelt, funkelt in der Sonne. Dann schiebt sie den Stuhl an den Tisch, kommt neben mich und drückt mir ein Küsschen auf die Wange.

„Blödsinn, ich sehe Sie wieder, das weiß ich genau. Ciao dann.“ Das Küsschen ist eine niedliche, unbedachte Geste eines jungen Mädchens. Es überrascht und freut mich gleichermaßen. Lässt mich sogar ein wenig rot werden. Jetzt erst rieche ich den feinen, blumigen Duft ihrer Haare.

„Und wenn das so ist, sagst du bitte Leon zu mir. Herr Stolberg klingt mir zu steif.“, zwinkere ich ihr zu.

„Geht klar Leon.“, lächelt sie zurück, winkt kurz mit den Fingern und verschwindet hinter der Buchenhecke aus meinem Sichtfeld.

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