Dieser Mann fasziniert meine Tochter genauso wie mich. Mit jedem Fußabdruck, den wir im Sand hinterlassen, fühlt sich seine Nähe besser, vertrauter an.
Ich kann es kaum noch erwarten, mit ihm im Café zu sitzen und ihn anzusehen, die Bewegung seiner Lippen beim Sprechen zu studieren. Die Torte könnte nach sauren Gurken schmecken, ich würde es kaum bemerken.
Wir sind ein lockeres Gespräch angefangen, über Covid im Allgemeinen und über Tina im Besonderen. Ich kann sehen, dass es ihm nahegeht und wie er versucht, seine Tränen zu unterdrücken. Er ist noch nicht über den Berg und es wäre auch zuviel verlangt, wenn es nach 5 Monaten schon vergessen wäre. So ein Erlebnis wird man nie wieder richtig los, wenn es die große Liebe erwischt hat und wenn man vor allem alleine steht.
„Leon, Nadine hat Ihnen ja schon verraten, dass ich Ihnen noch etwas sagen wollte. Letztens, in der Praxis. Sie sollen wissen, dass ich gerne für Sie da wäre. Nicht wie bei einer Behandlung, sondern als ihr Rettungsanker. Sie haben meine Adresse, meine Telefonnummer und meine Handynummer können Sie auch gern haben. Bitte zögern Sie nicht mich anzurufen, wenn Sie einen depressiven Schub bekommen, oder das Gefühl bekommen, keinen anderen Ausweg mehr zu wissen. Rufen Sie an, wenn Sie reden möchten oder Begleitung bei einem schweren Gang brauchen. Bitte Leon, seien Sie nicht zu stolz und bitte versuchen Sie nicht unnötig stark zu sein, wenn es nicht sein muss. Rufen Sie mich an, bitte, ja?“
Er lächelt mich an. Er muss nichts sagen damit ich merke, dass er mir für meine Aussage dankbar ist. Er nimmt meine Hand, die locker auf dem Tisch liegt und drückt sie sanft. Ein neues Kribbeln macht sich in meinen Brustwarzen breit.
Unglaublich warme, weiche Hände sind das. Nicht kratzig und rau, keine Handwerkerhände, sondern gepflegte Haut mit kurzen, sauberen Fingernägeln, so wie ich es bei Männern liebe.
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