Ich stehe drauf, wenn Männer auf ihr Äußeres
achten. Leon ist ein Musterbeispiel dafür.
Nach meiner Abfuhr hat er keinen neuen Psychologen gesucht, sagt er. Fühlt sich angeblich gut. So, als wäre eine weitere Behandlung nicht nötig. Gewagte Nummer, wenn ich mir die frischen Narben an seinen Handgelenken so ansehe.
Es ist fast 18Uhr geworden, als wir uns mit dem Versprechen verabschieden, so einen Ausflug zu wiederholen. Nadine springt auf und umarmt ihn. Davon hat sie bisher nichts erzählt.
„Was guckst du so? Das machen wir immer so und wir schreiben abends auch.“, blafft sie mich an.
Mit offenem Mund beobachte ich die beiden. Dann kommt er zu mir … um den Tisch herum … ganz dicht … jetzt. Seine Arme umschließen meine Schultern und sein Gesicht drückt sich an meine Wange. Meine Knie werden weich. „Halt mich bitte.“, hämmert es in meinem Kopf. Er lässt mich los, aber wie ein Phantomschmerz fühle ich seine Hände auf meinem Rücken, wo längst keine mehr sind.
„Bis bald.“, sagt er und geht mit gesenktem Kopf den Weg entlang. Nadine und ich sehen ihm nach.
Dicht hat sie sich an mich gedrückt.
„Ich finde ihn super, Mama. Ich mag ihn sehr.“, flüstert mir meine Tochter zu.
„Ich auch mein Schatz, ich auch.“ und wische mir unbemerkt an meiner Schulter eine Träne ab.
Leon: Ganze drei Tage ist es nun her, dass ich mit den zwei Frauen durch den Park gegangen bin. Diese Frau ist genauso, wie ich sie eingeschätzt habe, als Nadine mich darum bat. Ich muss sie wiedersehen, unbedingt. Sie ist eine wunderschöne, kluge Frau, die mich nachts von ihr träumen lässt. Immer, wenn ich die Augen schließe, taucht ihr Gesicht vor meinen Augen auf. Gelegentlich passiert mir sogar, dass ich unbewusst meine Arbeit unterbreche und gedankenverloren vor mich hin starre und dabei in einem Tagtraum versunken bin. Bis Gero mich anstößt und mit einem lauten Lachen wieder in die Realität zurückholt.
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