“, sagt er und ich sehe, dass er sich ein Lachen verkneifen muss.
„Sehr angenehm, Freya.“, antworte ich und stoße vorsichtig an sein Glas. Ein helles, feines ‚Pling‘ trennt unseren Blick.
Leon steht auf, geht um den Tisch herum, zieht mich an einer Hand aus dem Stuhl bis ich direkt vor ihm stehe und küsst mich auf den Mund. Länger, als dass es ‚nur‘ ein Bruderschaftskuss sein kann. Und doch zaghaft vorsichtig, sehr darauf bedacht, mich nicht zu überfordern. Dennoch werden meine Knie weich, schon wieder schießt mir ein Stromstoß in den
Unterleib.
Kurz trennen sich unsere Lippen, aber ich möchte nochmal, möchte es wieder fühlen, dieses Kribbeln in der Magengrube. Ich lege ihm meine Hand auf die Wange und drücke ihm langsam, ganz sanft meine Lippen auf. Keine Zunge, nur Lippen … warme, weiche Lippen.
Die ganze Zeit sehen wir uns tief in die Augen, bis Beifall in unserem Bereich des Lokals aufkommt und uns schamhaft in die reale Welt zurückholt, aus der wir, von uns unbemerkt, entrückt waren. Leise, langsam lauter werdend. Erst jetzt nehmen wir die Menschen um uns herum wieder zur Kenntnis, die uns begeistert und verzückt zusehen. Ungern und wenn es nach mir ginge viel zu früh, trennen sich unsere Münder.
„Entschuldige.“, murmele ich und setze mich mit puterrotem Gesicht auf meinen Stuhl zurück. Mit einem tiefen Schluck Roten versuche ich meine Fassung wiederzubekommen. Das gelingt auch, doch leider nur kurz, denn kaum sitzt Leon wieder vor mir, nimmt er meine beiden Hände und streichelt sie mit dem Daumen. „Danke“, sagt er, „das war traumhaft schön.“
Leon: So durcheinander war ich schon lange nicht mehr. Tinas Nähe war in den Jahren zur Gewohnheit und Selbstverständlichkeit verkümmert. Nicht, dass die tägliche Routine unsere Liebe geschmälert hätte. Bei weitem nicht.
Doch die Trauer und der schmerzliche Verlust haben mich fast vergessen lassen, wie gut sich ‚Nähe‘ anfühlt.
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