Zwischen Tod und Auferstehung - Teil II

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Zwischen Tod und Auferstehung - Teil II

Zwischen Tod und Auferstehung - Teil II

Gero Hard

Ich musste mich schon sehr zusammenreißen, um sie nicht in meine Arme zu nehmen und leidenschaftlich zu küssen. Ich wusste, dass es irgendwann so kommen musste. Die Anzeichen dafür waren mehr als deutlich. Nur hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde und schon gar nicht, dass sie diejenige wäre, die den Anfang machte. In meiner Welt macht immer der Mann den Anfang, aber ich war noch nicht soweit. Zum einen, war da die Angst vor dem Gerede der Leute um mich herum, vorzugsweise dem meiner Eltern und Schwiegereltern, aber auch von Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunden, die nach Tina’s Tod in meinem Leben nur noch eine kleine Rolle spielten. Zum anderen war da die noch andauernde Trauer in mir und die ethische Regel, doch mindestens ein Trauerjahr einhalten zu müssen.

Das alles ging mir rasend schnell durch den Kopf und der dicke Klos in meinem Hals, der auf meine Stimmbänder drückte, ließ mich nur drei Worte sagen: „Ich kann nicht.“

Ich sah sehr wohl, dass es Freya einen Stich versetzt hatte, sah ihren fast entsetzten Gesichtsausdruck, der nicht enttäuschter hätte sein können. Mir war klar, dass ich ihr mit meiner Reaktion sehr weh getan hatte, die so unpassend war, der Situation unangemessen und so gar nicht rücksichtsvoll oder mitfühlend.

Im Nachhinein bereute ich mehr als einmal, sie zum Schuhkauf überredet zu haben. Wie einfach wäre es gewesen, sie und Nadine am Samstag zu besuchen und einen schönen Abend mit den beiden Frauen zu verbringen. Doch so änderte sich alles mit einem einzigen Satz. Im Bett überlegte ich sogar, den Termin am Samstag abzusagen. Aber damit würde ich nicht nur Freya, sondern auch Nadine verletzen. Außerdem hatte ich Freya ja schon gesagt, dass ich gut finden würde, wenn unsere Freundschaft nicht darunter litt. Ich konnte den Gedanken wegen der Absage auch nicht zu Ende denken. Mein Handy zeigte eine Nachricht von Nadine:

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