Ich liebe dich Leon und ich will dich jede Sekunde in meiner Nähe.“
Wenn er so anfängt dauert es nicht lange, dann werde ich tatsächlich ärgerlich. So’n Spruch kann er sich echt stecken. Mir ist klar, wie er sich fühlen muss. Als wäre er kein vollwertiger Mann mehr. Versager, Looser, Schlappschwanz, eben minderwertig. Nicht würdig, eine Frau wie mich, erfolgreich und gut aussehend, an seiner Seite haben zu dürfen und mit ihr glücklich zu werden. Dann noch der Verlust seiner Tina, das Gefühl ihr fremdzugehen, sie zu betrügen. Aus meinem Studium weiß ich sehr genau, was so etwas mit Menschen macht, oder machen kann. Ich kann nachvollziehen, dass es ihm mit seiner Versagensangst, die schnell zu einer Verlustangst werden kann, nicht gut geht. Ich bräuchte Zeit. Zeit mit ihm allein und am besten eine ganze Menge davon. Wenigstens dann, wenn das Versagen tatsächlich psychische Ursachen hat.
Es könnte ja auch andere Ursachen haben. Schließlich wurde er quasi genötigt, mit mir zusammenzukommen. Was, wenn Leon mich nicht hübsch genug findet, oder ich was falsch mache, weil er ganz ‚andere‘, eventuell abartige Neigungen hat? Vielleicht steht er auch darauf, geschlagen zu werden, oder ist andersherum eher dominant veranlagt? Was, wenn ich in Wirklichkeit nicht sein Typ bin oder er sogar schwul ist?
Ich kann keinen klaren Gedanken fassen, rede mir völligen Schwachsinn ein. Drehst du jetzt völlig durch, Freya? Dieser Mann kann gar nicht schwul sein, dafür war er zu lange glücklich verheiratet. Und ich nicht sein Typ? Kann auch nicht sein. Dafür sehe ich seiner Frau zu ähnlich. Liegt es an Nadine? Kommt er mit der neuen Aufgabe nicht zurecht? Quatsch, die beiden haben sich gesucht und gefunden, dreht es sich in meinem Kopf herum.
„Erde an Mama, alles klar?“ Nadine hat wohl bemerkt, dass ich geistesabwesend auf meinem Bissen herumgekaut habe.
„Was? Was hast du gesagt, Lieblingstochter?“
Die Liebe fragt nicht, sie ist einfach da!
schreibt ulriketyress@gmail.com
Sehr schön und total glaubhaft
schreibt HansG