„Ich werde ihn dir nicht wegnehmen, dafür liebt er dich zu sehr.“, flüstert sie in das Kissen und küsst es ganz leicht. „Aber, darf ich ihn mir wenigstens für eine lange Weile ausleihen?“
Dann steht sie auf, kommt zu mir und legt ihren Oberkörper an meine Brust. Ihre Arme legen sich wie eine Klammer um meinen Hals, nicht zu eng, sie raubt mir nicht die Luft. Aber sie zeigt mir, dass sie mich jetzt braucht. Nur der anschließende Kuss lässt mich atemlos werden. Lange bleiben unsere Lippen sinnlich verbunden, genau wie unsere Augen nicht voneinander lassen können.
„Uups, stör ich? Sorry. Ihr könnt nachher weiter machen. Mum, kann ich zu Jackie? Sie hat gefragt, ob ich zum Chillen vorbeikommen und bei ihr pennen möchte. Das hatten wir ja eh schon abgesprochen.“
„Und was ist mit der Kletterhalle?“
„Geschenkt. Läuft ja nicht weg.“
Freya und ich waren fest verschmolzen und hatten nicht mitbekommen, dass Nadine sich angeschlichen hatte. Oder hatte sie sich gar nicht angeschlichen und wir hatten es nur nicht bemerkt, weil wir zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt waren.
„Schatz, bringst du uns nach Hause, damit Nadine packen kann?“
„Natürlich.“ Ein wenig bin ich schon enttäuscht, dass Freya nichts zu meiner Wohnung gesagt hat. Nicht die kleinste Bemerkung von wegen ‚hübsch hast du’s hier‘, oder sowas in der Art. Ob sie enttäuscht ist? Kann es sein, dass es ihr nicht gefallen hat, weil es modern ist und nicht wie bei ihr in einem Altbau? Obwohl das auch seinen Reiz hat.
Keiner von beiden hatte sich die Bilder an den Wänden angesehen. Meine Erinnerungen an Tina.
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Wenn Nadine gleich weg ist, dann wird es zu dieser Unterhaltung kommen, vor der ich mich nur allzu gern drücken
würde. Freya sitzt schon neben mir auf der Couch, krault mir den Nacken und knabbert dabei an meinem Ohrläppchen.
Sie lächelt verführerisch. Oder ist es das trügerische Lächeln einer zum Sprung bereiten Löwin?
Die Liebe fragt nicht, sie ist einfach da!
schreibt ulriketyress@gmail.com
Sehr schön und total glaubhaft
schreibt HansG