Ich führe sie durch mein Reich. Aufmerksam sieht sie sich um, bleibt lange an der Bilderwand im Wohnzimmer stehen.
Dort, wo zahllose Bilder an wunderschöne Urlaubsorte und Tage erinnern. Ein Portrait von Tina, dass sie extra für mich von einem Fotografen anfertigen, rahmen und vergrößern ließ, verzaubert jetzt auch Freya genauso, wie es mich seinerzeit verzaubert hatte.
„Mein Gott, Leon, wie hältst du das aus, jeden Tag deine Frau um dich herum zu haben? Wie wunderschön sie war. Ähnlich? Liebling, das ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Sie könnte ja tatsächlich meine Zwillingsschwester gewesen sein.“
Mit der Fingerspitze fährt sie die Konturen des Gesichtes auf dem Bild nach. Nachdenklich, abwesend, traurig.
„Wie meine Schwester, die ich nie haben konnte. Darf ich deine Schwester sein, Tina?“
Ich habe ihr ergriffen zugehört. Stehe neben ihr. Sofort schmiegt sie sich an mich, braucht meinen Halt um aufrecht stehen zu bleiben. „Liebling, bist du dir sicher, dass ich ihren Platz einnehmen kann?“
„Ja, Häschen, das bin ich. Du siehst, ich habe nicht übertrieben, als ich dir von eurer Ähnlichkeit erzählt habe. Verstehst du jetzt endgültig, was ich an dem denkwürdigen Dienstag vor mir gesehen habe?“
„Auf jeden Fall Schatz. Und ich danke dir, dass du mir die Chance gibst, dass du uns eine Chance gibst. Außerdem ist mir jetzt auch völlig klar, warum du im Moment einen kleinen Leistungseinbruch im Bett hast. Wir schaffen das, zusammen, mit Tina, mit Nadine, mit uns. Ok?“
„Wenn du es sagst, will ich es gern glauben.“
Arm in Arm sehen wir uns den Rest der Wohnung an. Sie bewundert die Küche, die große, überdachte Dachterrasse und zuletzt stehen wir in dem grau-anthrazit gefliesten Bad, wo sie begeistert nickt.
Ihre Augen, ihr Blick, eine stille Frage nach einem ‚OK‘. Ich nicke kaum merklich. Der Knoten unserer Arme löst sich.
Die Liebe fragt nicht, sie ist einfach da!
schreibt ulriketyress@gmail.com
Sehr schön und total glaubhaft
schreibt HansG