Unbarmherzig, laut und durchdringend ist der Piepton. Ich habe super geschlafen. Endlich wieder eine von wenigen Nächten, in der ich nicht von Tina und ihrem verzweifelten Gesichtsausdruck im Gesundheitsamt geträumt habe. Seit ich Freya kenne, werden diese Alpträume weniger.
Dinge, die bis vor kurzem selbstverständlich und gewohnt waren. Heute ist vieles anders als sonst. Der Blick in noch müde Augen, die mich so liebevoll ansehen. Dieses Lächeln um ihre Mundwinkeln, ihre Finger, die mir die Haare aus dem Gesicht wischen. Ein Kuss, der mir klar macht, dass ich nicht träume, sondern die Frau in meinen Armen echt ist.
Einen Moment umklammern wir uns. Küssen uns und wünschen uns einen schönen und guten Morgen. Können uns kaum voneinander trennen und doch müssen wir‘s.
Schon im Schlafzimmer gehen wir getrennte Wege, sie ins Bad, ich in die Küche um die vorbereitete Kaffeemaschine anzuschalten. Bisher birgt es ungeahnte Gefahren, mich vor dem ersten Kaffee anzusprechen. Freya traut sich was, sie weiß nicht, dass ich sie mit einem kleinen Klaps auf ihren süßen Hintern dafür bestrafen werde.
Irgendwann tauschen wir die Zimmer und sie erwartet mich in einem hübschen Kleid und einem dampfenden, koffeinhaltigen Heißgetränk. Ihre Schönheit blendet und verwirrt mich gleichermaßen. Mit diesem Bild vor Augen, soll ich den ganzen Tag überstehen, ohne sie küssen oder/und umarmen zu können? Ich werde neidisch, weil ihre Patienten sie so bewundern dürfen und ich bis heute Abend warten muss. Das grenzt an seelische Grausamkeit. Ob es ihr ähnlich geht?
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„Gero, kann ich dich kurz sprechen?“ Sein Blick verdüstert sich. Wahrscheinlich weiß er schon, was gleich kommt.
Ich ziehe ihn vom Flur in mein Büro.
„Sag mal, was war das denn gestern?“
„Was meinst du?“
„Das weißt du ganz genau. Hör zu, ich finde es schon schlimm genug, was du deiner Susi antust.
Die Liebe fragt nicht, sie ist einfach da!
schreibt ulriketyress@gmail.com
Sehr schön und total glaubhaft
schreibt HansG