Ich lerne diese Worte aus dem Englischen nie alle, aber dieses hatte ich mir gemerkt, weil ich es passend fand. Manchmal gibt es Worte im Englischen, die es im Deutschen nicht gibt, und nicht einmal eine passende Erklärung zu finden ist.
Nachdenklich fische ich nach dem hellblauen DIN A6 Zettel in meiner Tasche und falte ihn auseinander. „Rezept“ steht in fett gedruckten Lettern am oberen Blattrand. Soll ich es wirklich machen? Ich kann nicht lesen, was genau es bedeutet, was darauf geschrieben ist, kenne den Wirkstoff nicht. Mir kommen die Worte des Urologen in den Sinn, die er sagte, als er mir das Rezept ausgedruckt und überreicht hatte: „Nehmen sie es als Startpilot. Vielleicht zu Anfang eine Halbe. Das sollte helfen, die Blockade in ihrem Kopf zu umgehen.“
„Startpilot“, ein ins Lächerliche gezogener Ausdruck dafür, meine Erektionsschwäche zu beseitigen. Ich falte den Zettel wieder zusammen. Bis gestern habe ich das Medikament nicht gebraucht, aber nun könnte es ein guter Anfang sein.
Ja, ich werde die Tabletten heute holen. Ein Einsatz kommt ohne Freya’s Zustimmung allerdings für mich niemals in Frage. Das würde für mich einen tiefen Vertrauensbruch bedeuten. Zudem würde es sie doch sehr wundern, wenn ich nun doch mit einer baumharten Stange vor ihr auftauchen würde. Gestern noch ging gar nichts und jetzt doch? Ich bin mir sicher, sie wäre mehr als sauer auf mich, wenn sie gegen den hinterhältigen „Trick“ kommen würde.
Leon + Freya (Freya erzählt): „Hallo Leon, schön, dass du da bist!“ Nadine läuft ihm direkt in die Arme. Wir hatten abgesprochen, dass er nach der Arbeit zu uns kommen soll. Er hat eine Reisetasche in der Hand, die er fallen lässt, um Nadine in die Arme zu nehmen. „Na, Prinzessin, hattest du einen schönen Sonntag?“
„Och, ging so. War ok.“, antwortet sie nichtssagend flach.
„Und wie war die Schule?“
„Ätzend wie immer.“, zuckt sie genervt mit den Schultern.
Die Liebe fragt nicht, sie ist einfach da!
schreibt ulriketyress@gmail.com
Sehr schön und total glaubhaft
schreibt HansG