Sehen
aber ich bin doch ein Sexgott
Sie verriet mir flüsternd
ihr allerheiligstes Geheimnis,
während wir noch nackt und verschwitzt dalagen,
die Laken ein Schlachtfeld aus Lust und Lügen.
„Weißt du“, hauchte sie
mit diesem teuflischen Lächeln,
das mir sonst den Verstand raubte,
„wenn man Tigerbalsam ganz dünn auf die Eichel streicht,
direkt vor dem Eindringen,
dann wird jeder Mann zum Sexgott.
Absolut jeder.“
Ich lag da,
mein bestes Stück noch stolz erhoben wie eine Kathedrale,
und spürte plötzlich,
wie sich etwas in mir zusammenzog.
Nicht etwa mein Schwanz –
der war ja offensichtlich noch im Dienst –
nein, mein Ego.
Mein verdammtes, empfindliches, männliches Ego.
Denn was sie mir da gerade mitgeteilt hatte,
war keine Offenbarung.
Das war eine gotteslästerliche Beleidigung.
Eine blasphemische Entweihung meiner eigenen Männlichkeit.
„Jeder Mann“, hatte sie gesagt.
JEDER.
Also auch ich?
Heißt das etwa,
dass ich – ohne diesen beschissenen Tigerbalsam –
kein Sexgott bin?
Dass ich bisher nur ein gewöhnlicher Sterblicher war,
der sich durch ihre Gnade einbildete,
sie würde vor Lust vergehen,
während sie in Wahrheit nur höflich stöhnte,
weil sie mich mochte?
Weil ich nett bin?
Weil ich ihr ab und zu die Füße massiere
und nicht sofort einschlafe,
wenn sie von ihren Freundinnen erzählt?
Ich starrte an die Decke,
als hätte dort gerade Jesus persönlich
„Du bist nicht der Auserwählte“ in den Putz geschrieben.
Sie kuschelte sich an mich,
zufrieden wie eine Katze,
die gerade einen Kanarienvogel verspeist hat,
und murmelte:
„Willst du’s mal ausprobieren?“
Ich lächelte gequält.
„Klar“, sagte ich.
„Aber nur, damit du endlich mal erlebst,
wie sich ein echter Sexgott anfühlt.“
In Wahrheit wollte ich nur wissen,
ob sie danach noch dieselbe wäre.
Ob sie dann noch diese kleinen, süßen Laute macht,
wenn ich sie an der richtigen Stelle küsse.
Oder ob sie plötzlich schreien würde wie eine Besessene,
weil endlich mal jemand mit chemischer Unterstützung
an ihr werkelte,
der es wert war.
Ich stand auf, ging ins Bad,
starrte in den Spiegel.
Mein Schwanz hing da wie immer –
stolz, aber offenbar nicht göttlich genug.
Ich öffnete den Spiegelschrank.
Kein Tigerbalsam. Natürlich nicht.
Ich bin ja kein Amateur.
Stattdessen nahm ich die Tube
mit der teuren, französischen Aftershave-Creme,
die sie mir mal geschenkt hatte.
Riecht nach Geld und Selbstbewusstsein.
Ich drückte mir einen dicken Klecks auf die Finger,
verteilte ihn großzügig,
spürte das kühle Brennen.
Als ich zurück ins Schlafzimmer kam,
lag sie da, die Beine schon leicht gespreizt,
erwartungsvoll, neugierig, vielleicht ein bisschen gehässig.
Ich stieg über sie,
sah ihr tief in die Augen
und flüsterte:
„Heute zeige ich dir mal,
was ein echter Sexgott kann.
Ohne Hilfsmittel.
Nur mit dem, was Gott mir gegeben hat.“
Sie lachte.
Dieses Lachen.
Dieses verdammte, süße, teuflische Lachen.
Drei Stunden später lag sie da,
völlig fertig, zitternd, mit Tränen in den Augen,
und flüsterte:
„Ich hab gelogen.
Der Tigerbalsam war nur ein Test.
Ich wollte wissen, ob du eifersüchtig wirst.
Auf dich selbst.“
Ich lag neben ihr,
erschöpft, aber triumphierend.
Mein Schwanz brannte wie die Hölle.
Aber mein Ego?
Das war gerade zum Allerheiligsten geworden.