Sehen
Absurdistan: Bordell-Kontrolle
Im Bordell zum geilen Bock
stand der Zuhälter
hinter dem Tresen
und wartete
auf Kundschaft.
Brrrr, klingelte es.
Er drückte
auf den Türöffner
und herein kam
eine uniformierte Person.
»Womit kann ich helfen?«
fragte der Zuhälter.
»Nun, ich bin vom Ordnungsamt«,
sagte die Person,
»und ich bin beauftragt,
Ihr Geschäft zu überprüfen.«
»Aha«, sagte der Zuhälter.
»Was möchten Sie denn wissen?«
»Was machen Sie denn hier
in Ihrem Betrieb?«
Der Zuhälter sagte:
»Naja,
wie Sie vielleicht wissen,
sind wir ein Bordell.
Hier kommen Männer her
und schlafen für Geld
mit einer Frau.«
»Mhm«, sagte der Mitarbeiter.
»Haben Sie in Ihrem Betrieb
auch den vorgeschriebenen
Frauenbeauftragten?
Männlich,
weiblich oder divers?«
Der Zuhälter blickte
dem Beamten in die Augen
und sagte:
»Diese Person steht vor Ihnen.
Ich bin der Frauenbeauftragte.«
»Oh«, sagte der Beamte,
»na ja gut,
wenn dem so ist.«
»Dem ist so.«
»Aber«, fragte der Beamte,
»wie sieht es denn aus
mit einer entsprechenden
Datenschutzerklärung,
die jeder Kunde
unterschreiben muss?«
»Nun«, sagte der Zuhälter,
»wissen Sie,
bei uns erfolgt alles anonym.
Wir erheben keine Daten,
von daher brauche ich auch
von Gesetzes wegen nichts
unterschreiben zu lassen.«
»Hm«, sagte der Beamte,
»da haben Sie natürlich auch
wieder recht.«
»Ja.«
»Aber«, und jetzt holte der Beamte
seinen letzten Trumpf
aus der Jackentasche,
»Ihre Dienstleistungen kann man auch
über das Internet bestellen,
wie ich gesehen habe.
Wie ist das aber mit der
vierzehntägigen Rückgabepflicht?
Erstatten Sie dem Kunden
das Geld?«
»Nun«, sagte der Zuhälter,
»wissen Sie,
Sie haben Ihre Hausaufgaben
nicht gemacht.
Denn wenn eine Leistung
individuell erbracht wird,
erlischt das Rückgaberecht sofort.«
»Hm«, sagte der Mitarbeiter
des Ordnungsamtes,
»dann sind Sie ja
ein richtiges unternehmerisches Vorbild.«
»Ja«, sagte der Zuhälter,
»haben Sie vielleicht noch
andere Fragen?
Möchten Sie etwas über unser
Kassensystem wissen?«
»Nein, nein«,
sagte der Beamte,
»das macht das Finanzamt.«
Und er senkte vertraulich
den Ton:
»Mit denen liegen wir übrigens
über Kreuz.«
»Ach, was Sie nicht sagen«,
sagte der Zuhälter.
»Ja, ja«,
sagte der Beamte.
»Warum liegen Sie denn
über Kreuz?«
Der Beamte blickte bekümmert.
»Wissen Sie, die Mitarbeiter des Finanzamtes
dürfen kostenlos bei Ihnen
die Dienste in Anspruch nehmen.«
»Kostenlos? Das wüsste ich doch«,
sagte der Zuhälter.
»Nein, nein,
das geht auf Staatskosten«,
sagte der Beamte.
»Wissen Sie, hier kommen öfter Mitarbeiter
des Finanzamtes vorbei,
vögeln ordentlich eine Dame durch
und schauen hinterher,
ob sie ordnungsgemäß
abgerechnet wurde.«
»Aha«, sagte der Zuhälter,
»das ist ja ganz was Neues.
Aber schade,
dass Sie nur das Ordnungsamt sind.«
Er überlegte kurz.
»Aber«, fragte der Zuhälter,
»wollen Sie nicht vielleicht
eine der Damen mal kennenlernen?
Ich könnte Ihnen unser rotes Zimmer anbieten.
Wie wär's mit Natascha?
Sie wollen doch bestimmt einmal
mit einer der Damen ein Gespräch
zur Kontrolle führen,
ob es ihr auch hier gefällt.
Es muss ja alles seine Ordnung haben.«
Der Beamte kratzte sich am Kopf.
»Warum nicht«, sagte er,
»wenn ich schon mal hier bin.«