Sehen

Affären-Tanz

Nico Schwarzer

Die Affäre mit dir begann  
mit einem Nieser.  

Alle Blicke waren auf mich gerichtet.  
Kein. Wunder.  

Männer, die was auf sich halten,  
lassen es krachen.  

Nur Pussy-Knaben halten sich die Nase zu  
und schnäuzen sich verlegen in die Hand.  

Aber ich habe registriert,  
dass du mich bemerkt hast.  

Wir haben uns also gegenseitig markiert  
und es begann der langsame Tanz.  

Ein zufälliger Blick hier.  
Ein unbedeutender Schritt in die Richtung des anderen.  
Bei gleichzeitiger Ignoranz.  

Ja, dieses Spiel muss gekonnt sein.  

Die Minuten verrannen.  
Bis zu dem Augenblick,  
wo wir über uns stolpern mussten.  

Jetzt also Phase zwei.  
Die hohe Kunst des Smalltalks.  

Über nichts reden  
und trotzdem alles sagen.  

Floskeln, die Interesse wecken.  
Und wie immer die männliche Geheimwaffe:  
Schweigen  
und ab und zu fragen.  

So lenkt der Mann von Welt das Gespräch.  
Die Frau ist begeistert.  
Endlich ein Mann, mit dem man sich unterhalten kann.  

Und was viel wichtiger ist:  
eine Frau, die stundenlang von sich erzählt hat  
und ihr Innerstes offenbart hat,  
sucht danach beim Manne immer Schutz.  

Das endet immer im Bett.  
Wenn man es nicht vergeigt  
oder der Ehemann der Umbalzten sich plötzlich meldet  
und sein Juwel entführt,  
ohne dass man die Telefonnummer  
oder eine andere Kontaktmöglichkeit hat.  

Doch gottseidank  
bist du alleine hier.  

Wir kommen uns körperlich immer näher.  
Ich spüre dein Parfüm.  
Irgendetwas Teures von Dolce & Gabbana.  

Ich liebe solche Düfte  
und die Haut am Hals,  
wo du die Tropfen Duftwasser sorgsam eingerieben hast.  

Langsam kommen wir uns körperlich näher.  
Eine zufällige Berührung da.  
Ein Blick, der einen Hauch von Augenblick  
zu lange in meiner Pupille verweilt.  

Es ist dieser kurze Augenblick,  
der ein ganzer Kosmos an aufregenden Versprechungen ist.  
Eine Ahnung, was kommen könnte.  

Und so befinden wir uns gerade  
am Anfang einer Reise ins Abenteuer Leidenschaft.  

Im Niemandsland der Liebe.  

Noch kein Versprechen gegeben.  
Noch keins gebrochen.  
Noch keine Regel aufgestellt,  
noch keine bereut.  

Aber die Gewissheit:  
Dies ist etwas Besonderes mit uns.

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