Sehen

Antwort auf Abschiedsbrief

Claudia Carl

Mein lieber Ex,
du Narzisst !

Vielen Dank für deinen Abschiedsbrief.
Da hat es ja
dein selbstverliebtes Ego
ganz schön getroffen.
Und das nur,
weil ich in meiner Freizeit
hin und wieder
mit anderen gefickt habe.

Ja, es stimmt.
Ich wurde
von deinem Freund Carl
mit einem Lover
im Pornokino gesehen.

Wir saßen gerade auf dem Pärchensofa,
ich Beine breit
und Höschen
zwischen den Knien,
er mit meinem Kitzler
beschäftigt.

Da sehe ich deinen Carl
in einer Reihe stehen
mit den anderen Wichsern.

Ich hatte beste Sicht
auf seinen Schwanz
und somit endlich erfahren,
was für ein elendes Würstchen
dieser Typ ist.

Und der, der hat es nötig,
mich bei dir zu verpfeifen.

Der sich nicht zu blöd dafür ist,
in diesem Kino
neben 20 anderen Wichsern
zu stehen
und an seinem Schwanz rumzumachen,
nur weil vor seinen Augen
eine Frau geleckt wird.

Der ansonsten der Grünen-Wähler par excellence ist,
Gutmensch von Kopf bis Fuß,
nur Möhren
und anderes Grünzeug frisst
und angeblich jeden Tag
den Müll rausbringt.

Denn dein Carl ist ja ebenso verlogen wie ich.

Er lebt mit dieser Gutmenschentussi zusammen
und spielt ihr jeden Tag
den Sensiblen vor,
während er heimlich pervers ist.

Ja, und es stimmt,
deine Nachbarin
hat mich
mit wieder einem anderen gesehen.

Wir saßen im Park auf einer Bank
und nach einer netten Unterhaltung
haben wir uns geküsst.

Da geht die Ökoschlampe Bärbel vorbei,
bei der du immer die Eier holst.

Auf ihrem ach so biologisch dynamischen Bauernhof.

Und ich sage dir, dieser Typ
kann küssen.

Er packte mein Kinn,
drehte meinen Kopf
und schob mir seine Zunge
tief in den Rachen,
ein Kuss,
bei dem frau gar nicht anders kann
als ans Ficken zu denken.

Eindringlich, geil,
mega.

Und dann mittendrin
sehe ich
die Bäh Bärbel
mit ihrem Sackkleid,
die ja der Inbegriff von Nicht-Sexyness ist.

Die bräuchte es auch mal wieder.

Ja, okay,
meine aufgepimpten Titten
waren auf der Parkbank auch
ein wenig zu sehen,
na ja,
ziemlich viel.

Der Typ war eben Leidenschaft pur,
ein Mann,
der einfach seinen Weg geht
und nicht so dumm rumlabert wie du,
bevor er überhaupt zur Sache kommt,
den man sozusagen
zum Jagen tragen muss.

Ja, ich habe
mit dem Schneider
in der Umkleidekabine
ein bisschen rumgemacht.

Es war einfach so eine heiße Situation.

Ich hatte den Rock an,
den er kürzen sollte,
er kniete neben mir
mit seiner Puderspritze,
mit der er den gewünschten Rand
auf den Rock puderte,
und dann bewegte er sich
noch immer weiter
auf den Knien
um mich herum.

Dabei streifte er hin und wieder
meine Oberschenkel.

Du kennst meine Empfindsamkeit.

Mir triefte es immer deutlicher
zwischen den Schamlippen
und dann entfuhr mir
dieser Seufzer,
so tief
und geil.

Und dann öffnete jemand
den Vorhang
und ein Gesicht
starrte entsetzt herein.

Das deiner Kollegin Annemarie.

Du hast eben lauter
charakterlose Freunde,
Bekannte und Kollegen,
die sofort alles weitertratschen,
was sie sehen.

Aber sie passen gut zu dir,
an deinen letzten Sätzen sieht man am besten,
auf welchem unterirdischen Niveau
du denkst und empfindest.

Hättest du nicht so
sensationell ausdauernd geleckt,
ich hätte eh nie mit dir…ja,
darum tut es mir doch leid.

Also falls du mal wieder….

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