Sehen
Auf dem großen Platz
Nicht mehr auf der Höhe.
In Fleisch reinbeißend,
in sich gekehrt,
schauend auf die Menschenmenge.
Die vielen Frauen darunter.
Nette, schöne Frauen.
Und auch weniger schöne.
Dicke und auch ganz unansehnliche.
Junge und alte.
An Männern vorbeischauend.
Uninteressant.
Keine Neugier drauf.
Nur die Frauen interessieren,
zum schauen,
zum träumen,
zum wünschen –
und mehr noch.
Vom Fenster aus. In den hellen Tag.
Der überaus belebte große Platz
hat viel davon.
Von Frauen.
Ihre Gesichter – zum studieren.
Die jungen strahlen oft,
gehen daher
als sei die Welt die ihre.
Es macht bisweilen sogar
klack-klack
an den Füßen.
Und darüber zeigen sich
nicht selten nackte,
oder nylonbestrumpfte Beine.
Schöne schlanke, oder schöne kräftige.
Es sind auch dicke darunter.
Ja, dicke Beine.
Auch die können schön sein.
Ebenso die Figuren,
die weiblichen.
Es sind schlanke, kräftige
und auch dicke Figuren,
die sich auf dem großen Platz zeigen.
Kein Markttag heute,
von daher fast nur laufende Menschen.
Einige bleiben zu einem Gespräch stehen.
Zu zweit, zu dritt,
zu viert.
Wenn es Frauen sind,
die zusammenstehen,
sind die Gespräche lauter
als die von Männern.
Und geschwätziger.
Die Gesichter der Frauen
werden bei längerer Beobachtung
zu kleinen Geschichten.
Es sind ernste Gesichter,
oder auch alberne,
anmaßende und lästernde.
Mit hübschen und weniger hübschen Gesichtern.
Jede einzelne von ihnen
hat etwas Interessantes.
Was sie wohl unter ihrer Bekleidung anhaben?
Die mit dem hübschen,
pausbackigen Gesicht –
wird sie eine Strumpfhose tragen,
oder sind es gar hautfarbene halterlose Strümpfe?
Es wäre ihr durchaus zuzutrauen,
so selbstbewußt wie sie
mit ihrer Gesprächspartnerin redet.
Am Ende trägt sie sogar keinen Slip
und ist intimrasiert.
Würde wirklich nicht zu wundern sein.
Ihre Gesprächspartnerin ist dagegen grau.
Graue Maus.
Schlank und von nichtssagendem Äußeren.
Mit einer Mimik beim sprechen
die bisweilen Verächtlichkeit ausdrückt.
Ob sie ihre Tage hat?
Doch die dicke Hübsche,
die so flott dahergeht
als könnte sie zu irgendwas zu spät kommen –,
sie ist eine wahre Augenweide.
Ihr mächtiger Busen wippt
bei jedem Schritt
und er suggeriert –
der Busen –,
daß mit ihm viel Lust zu erwarten ist.
Kein Wunder, denn sie trägt ein tief ausgeschnittenes Dirndl.
Es ist halt Hochsommer,
und auf dem großen Platz,
wo es so lebendig zugeht,
kann man schonmal was zeigen.
Oder denkt sie nicht dran?
Die Frauen auf diesem Platz
sind allesamt ungeahnte Schätze.
Und nicht nur auf diesem Platz.
In jeder Straße, in jedem Haus,
in jedem Zimmer,
in jedem Bett.
Überall.