Sehen
Berta
Da war einmal eine Frau.
Sie war eine –,
wie soll ich sagen,
eine besondere Frau.
Sie war so derb.
So wenig weiblich wie ein Mann.
Sie fühlte sich hart an.
Stämmig und knochig,
als wäre sie gewohnt
harte körperliche Arbeit zu tun.
Auf dem Land etwa,
als Bäuerin.
Und doch war sie irgendwie anziehend.
Ihre dunkelbraunen Haare
waren dicht und dick,
und hingen ihr offen
bis an ihre Hüften herunter.
Manchmal trug sie zwei geflochtene Zöpfe,
manchmal nur einen,
und manchmal steckte sie ihr üppiges Haar hoch –
mit Haarnadeln.
Ihr Gesicht fand ich schön.
Sie hieß Berta.
Nicht einer meiner Kameraden
beachtete sie damals als junge Frau.
Wir waren damals alle
gerade mal so um die 20 Jahre alt.
Ich weiß noch
wie sie eines Tages
meinen Freund Konrad verprügelt hatte,
weil er ihr über die Straße
eine Beleidigung zurief
der sich auf ihr Äußeres bezog.
Sie rannte sofort über die Straße zu ihm
und haute ihm erstmal ein paar rein.
Dann warf sie ihn zu Boden
und setzte sich rittlings auf ihn
und drückte ihn mit ihrem Gesäß
auf sein Geschlecht.
(den ganzen Vorgang hat er mir später
in allen Einzelheiten verraten)
Das mußte ihm ungeheuer weh getan haben,
denn sie veranstaltete einen brutalen Ritt auf ihn
und spuckte ihn an,
während sie seine Hände
über seinem Kopf fest auf den Asphalt drückte.
Sie war wesentlich stärker als er.
Schließlich ließ sie von ihm ab
und ging einfach ihres Weges,
ohne an jegliche Folgen zu denken.
Es hatte keine Folgen.
Konrad traute sich natürlich nicht,
diese Erniedrigung weiterzuerzählen.
Und dann kam der Tag
an dem ich mit Berta intim wurde.
Ich sehe sie noch wie heute,
wie sie mir im Sommer
auf der großen Obstwiese,
bei dem großen Apfelbaum,
zugerufen hat
und mich bat zu ihr zu kommen.
Warum nicht, dachte ich
und ging zu ihr.
Als ich vor ihr stand
überreichte sie mir
einen Strauß selbstgepflückter Kornblumen.
So herrlich leuchtend blau,
daß ich erstaunt war
und sie fragte,
wie ich zu dieser Ehre komme.
Daraufhin sagte sie,
sie hätte dazu eine Bitte.
Gut, sagte ich,
und was ist deine Bitte?
Ihre Antwort war so direkt,
daß ich erstmal lächeln mußte,
so verblüfft war ich:
„Ich wünsche, daß du mich jetzt,
gleich hier unter diesem Apfelbaum,
fickst.“
Dabei hob sie ihr Kleid
und streifte ihren altmodischen
weißen Baumwollschlüpfer herunter
und warf ihn achtlos fort,
legte sich auf den Rücken ins Gras
und spreizte ihre Beine.
Was blieb mir anderes übrig
als ihrer Bitte Folge zu leisten?
– Dieses Erlebnis mit Berta
hat mich seither
in Bezug auf meine weiteren Beziehungen zu Frauen
begleitet –
und positiv beeinflußt.
Ich habe eine hohe Achtung
vor den intimen Belangen der Frauen.