Sehen

Böse Mösen nachts um halb zwölf

Charles Haiku

Es gibt für alles und jeden
ein erstes Mal.
Ein Umstand der natürlich auch
für mich gilt und so
war es vor kurzem
auch für mich soweit.

Für ein paar Tage (und Nächte)
von meiner Freundin allein gelassen,
surfte ich rein beruflich
im Internet, als eine
Spontan-Erektion mich aus meinen
Karrierebemühungen riß.

Hormonell verwirrt beteiligte ich mich
an der beliebtesten Abfrage
eines Wortes der Suchmaschinen
und wurde in Sekundenschnelle
mit relevanten Ergebnissen bombardiert.

Doch wofür soll man sich
entscheiden?
Die Palette reicht von onanierenden
Hausfrauen mit sechziger Jahre-Dutt,
über Monsterbrüste mit Nippeln
in Kesselnietenformat und frech
grinsenden Teenagerskeletten bis hin
zu gegelten Rosetten-Stechern mit
Drei-Tage-Bart.

Ich entschied mich, wie wahrscheinlich
jeder Newbie, erst einmal
für ein grinsendes Teenagerskelett,
daß sich die eigenen Beine
um den Hals wickeln konnte
und mit dem Becken
verführerisch kreiste.

Wild entschlossen klickte ich
auf das Angebot.
In einem Bruchteil von Sekunden
später explodierte mein Browser
und verwandelte sich in eine
blinkende Hölle.

Links oben nuckelte eine halbentblößte
Krankenschwester an einem Riesendildo
und flehte mich an:
“Ich will Dich!“

Rechts unten wurden mir Gratis-Videos
in rauhen Mengen versprochen
und in der Mitte
sah ich gar nichts,
da sich mehrer Pop-Ups
um die strategische Vorherrschaft stritten.

Von meinen heißersehnten Teenagerskelett
fehlte jedoch jede Spur.

Irgendwo zwischen einer Seite
für Sex mit schwer übergewichtigen Damen
und einem Werbebanner für Gratisspanner
blinkerte ein Angebot vor sich hin,
auf dem ich Angie,
so hatte ich meine virtuelle Teenygöre genannt,
entdeckte.

Bekanntermaßen sind die interessanten Erotikangebote
im Internet nicht kostenfrei
und so wurde mir offeriert
Angie entweder per Dialer zu besuchen
oder Mitglied für 29,59 zu werden.

So stand ich nun vor der schweren Frage
Dialer oder Kreditkarte.
Ich entschied mich für die Kreditkarte.

Dialer haben einen schlechten Ruf
und sind teuer.
Nach dem ich meine Brieftasche
mehrmals durchwühlt hatte,
fiel mir die Beichte meiner Freundin
auf dem Anrufbeantworter ein.

Rein zufällig und aus Versehen
hatte sie meine Kreditkarte
mit in ihre Reisetasche gesteckt.
Miststück.

Schweren Herzens, aber mit einem
Riesenständer in der Hose
wählte ich mich per 0190-Nummer ein
und... tja, konnte zwischen den verschiedensten
kurzen Videos wählen.

Zum Beispiel wurde mir ein Video
einer reifen Frau mit Hängetitten
und Altersspeck angeboten.

Die wilden Dildospiele geiler Schlampen
entpuppten sich als das unkoordinierte Herumfuchteln
einer wahrscheinlich spastisch gelähmten
und bedauernswerten Kreatur,
deren Sex-Appeal einen neuen Minusrekord
auf meiner nach unten offenen
Ekel-Skala markierte und von Angie
fehlte jede Spur.

Nach zehn Minuten vergeblicher Suche
und um etliche Mark erleichtert,
habe ich einfach die Verbindung gekappt,
mich ins Bett gelegt
und mit Angie vor dem geistigen Auge
ganz klassisch onaniert.

Was soll ich sagen,
sie war einfach phantastisch.

Darum kann mir der ganze Internet-Porno-Kram
gestohlen bleiben.
Jeden Fall fürs erste
und Sie bleiben mir ja hübsch anständig,
moralisch und sauber und grüßen Sie mir alle,
die Sie barfuß treffen.

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