Sehen

Damals, im Sommer 75, bei Antibes

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Das sind Schenkel.
Also wirklich,
von solchen Schenkeln
hab ich immer geträumt.

Ich bin –, ja ich geb´s zu –
von Schenkeln…
ja nicht gerade besessen,
aber ich bin fixiert.

Mein Focus ist da ganz drauf fixiert,
echt.
Schau doch mal
die Ästhetik!

Die Wohlgeformtheit.
Allein das ist schon
zum Reinbeißen.

Ja, jeder hat so
seinen Geschmack.

Woher das bei mir so gekommen ist?
Lange Geschichte.
Eigentlich.

Aber ich versuche mich
kurz zu fassen.

Ich war gerade 17 geworden,
da bin ich damals
mit meinem besten Freund
nach Südfrankreich getrampt.

Mitten im Sommer. Es war heiß wie Hölle
und wir waren noch so doof
ein großes Zelt mitzuschleppen,
denn wir wollten völlig unabhängig sein –,
vor allem für Übernachtungen
nix bezahlen.

Das hat dann auch soweit geklappt,
nur –,
daß wir das Zelt
niemals benutzt haben,
nicht einmal aufgebaut.

Wenn wir draußen geschlafen haben,
waren wir viel zu faul
es aufzubauen.

Es war ja auch jedesmal
spät in der Nacht
und entweder haben wir auch
viel Rotwein intus gehabt,
oder wir haben den ganzen Abend über
ein Joint nach dem anderen geraucht.

Und da geht halt nix mehr
mit Zeltaufbauen.

Ja, und dann das mit den Mädels.
Wollten wir ja auch welche rumkriegen –
also Französinnen,
klar.

In Französisch waren wir ja auch bestens –
1a Leistungskurs
auf´m Gauß-Gymnasium.

Und tatsächlich hatten wir das Glück,
an der Cote d´ Azur,
kurz vor Antibes,
zwei süße Mädels kennenzulernen.

Die waren mit ihrem offenen
Citroen CV4 –
einer alten roten Ente –,
unterwegs
und nahmen uns
vom Straßenrand mit.

Bei ihnen für zwei Tage zu wohnen
war einfach eine Lust.
Unbeschreiblich.

Ich sag nur 1975 –,
da war alles locker drauf.
Genauso wie wir.

Mein Freund und ich
hatten so nebenher
eine Vereinbarung getroffen –
wer die Blonde
und wer die Brünette…

also das war schnell abgemacht,
ich stand voll auf die Brünette
und mein Freund wollte unbedingt die Blonde –
also kein Problem.

Von der Nacht – denn es war nur eine –
will ich jetzt nicht tiefer drauf eingehen,
als daß ich sage –
es war einfach der Hammer!

Die Brünette… also die hatte Temperament…
(war vielleicht auch zwei Jahre älter als ich) –,
und was die alles so –
naja,
regelrecht bestimmt hat…

wo´s langgehen sollte…
Ich hab natürlich alles mitgemacht
was sie so vorgab.

Tolle Figur – und Beine sag ich… –
Ach ja,
Schenkel…
natürlich.

Wollte ich ja auch von erzählen.

Also wir sind dann am anderen Tag
erst mittags aufgestanden.
Riesenhunger.

Und die Mädels wußten
ein tolles Restaurant
direkt am Meer.

Wir natürlich hin –,
und da hab ich dann
das erste Mal…

Wie soll ich sagen.
Meine Leidenschaft…

ich sah meine Brünette
so über den Tisch an…
so süß,
so jung!

Sowas erlebt man äußerst selten.

Und dann diese Schenkel,
meine Phantasie ging einfach
mit mir durch…

so zart… so wohlgeformt,
so duftig…

und sie forderte mich einfach auf –,
ja, einfach reinzubeißen –
zu schmecken,
zu genießen.

Und obwohl ich mich anfangs noch
echt geziert habe,
war ich dann aber so mutig
und probierte und schmeckte…

und ja, es schmeckte in der Tat!

Und ich weiß nicht ob ich´s aus Spaß gefragt habe –,
jedenfalls fragte ich so
über den Tisch
zu der Blonden
und meiner Brünetten:

„Warum sind die nicht grün?
Die müßten doch eigentlich grün sein,
oder?“ –

Ja, großes Gelächter,
ich hatte alle Lacher
auf meiner Seite!

Und die Blonde meinte dann bloß:
also Froschschenkel werden
bei der Zubereitung immer
farblich so –
wie sie jetzt sind.

Naiv, was?

Oder meinte sie es nicht ernst?
Ich weiß auch nicht mehr genau,
jedenfalls haben wir uns
köstlich amüsiert,

und seit diesem Tag
habe ich diese Leidenschaft
für Froschschenkel.

Und wann immer ich die Gelegenheit habe
in einem Restaurant welche
auf der Speisekarte zu finden –
so wie jetzt auch –,
bestelle ich sie selbstverständlich.

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