Sehen

das beste Pferd im Stall

Charles Haiku

Der kleine Peter.
Früher noch dieser schmächtige Typ,
den niemand auf dem Schirm hatte.

Blasser Bürohengst,
immer mit dem gleichen grauen Hemd,
das er wahrscheinlich seit der Jahrtausendwende trug.

In der Kantine saß er allein,
stocherte im labbrigen Schnitzel herum
und starrte Löcher in die Luft.

Die Kolleginnen kicherten hinter vorgehaltener Hand:
„Der Peter? Der kriegt doch nie eine ab.“

Und wenn mal eine Neue ins Team kam,
verschwand er lieber Richtung Kopierer,
bevor ihn jemand ansprach.

Unsicher, linkisch,
mit diesem schüchternen Lächeln,
das eher nach Entschuldigung aussah als nach Einladung.

Aber dann, eines Abends, irgendwann nach Feierabend,
passierte es.

Peter hatte sich wohl endlich mal getraut.
Keine Ahnung, ob es der dritte Aperol war,
die neue Unterwäsche
oder einfach nur der Moment,
in dem er dachte: Scheiß drauf.

Jedenfalls landete er
mit dieser rothaarigen Wilden aus der Buchhaltung im Bett.

Und plötzlich war nichts mehr wie vorher.

Hoppehoppereiter, der kleine geile Peter!

Jetzt sitzt er oben,
die Zügel fest in der Hand,
und gibt den Takt vor.

Klatsch, klatsch, klatsch –
seine Hoden schlagen im perfekten Rhythmus
gegen ihre prallen Arschbacken,
als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Sie keucht, sie wimmert,
sie bettelt um mehr.

Und Peter?
Der grinst nur noch breit,
die Augen glasig vor Geilheit,
die Hüften kreisen wie ein gut geölter Kolben.

Alle Achtung!
Wer hätte gedacht,
dass ausgerechnet der unscheinbare Peter
das beste Pferd im Stall wird?

Früher noch der Typ,
der sich beim Anblick eines Dekolletés
fast in die Hose machte – vor Scham.

Heute derjenige,
der sie so lange reitet,
bis sie zitternd zusammenbricht
und seinen Namen schreit wie ein Mantra.

Die Kolleginnen tuscheln jetzt anders.
Neidisch. Verwirrt. Geil.
„Hast du den Peter gesehen? Der ist ja ein Tier!“

Ja, manchmal steckt in dem Stillsten
der wildeste Hengst.

Man muss ihn nur mal aus dem Stall lassen.

Und wenn er dann losgaloppiert –
hoppehoppereiter! –
dann gibt es kein Halten mehr.

Der kleine Peter ist erwacht.
Und er hat Hunger.
Großen, unstillbaren Hunger.

Bleibt nur zu hoffen,
dass er nicht irgendwann vom Pferd fällt.

Oder dass die Rothaarige aus der Buchhaltung
nicht plötzlich merkt,
dass sie lieber selbst die Peitsche schwingen will.

Aber bis dahin:
Respekt, Peter.
Weiter so.
Reite sie alle.
Eine nach der anderen.

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