Sehen

Das Comeback der Sexklassiker

Charles Haiku

Zuerst die erfreuliche Nachricht.
Der gute alte Dildo
und die aufblasbare Gummipuppe
sind wieder trendy.

Nach Jahren der Stagnation,
in denen vergnügungssüchtige Sexjunkies
einen virtuellen Lust-Kick
aus den unendlichen Weiten
des Internetes bevorzugten sind vorbei.

Man legt wieder klassisch
Hand an sich selbst
und entdeckt wieder die eigenen Reize.

Die Industrie hat dies erkannt
und sofort reagiert.

So ist die aktuelle Winterkollektion
aller bedeutender Hersteller sexueller Hilfsmittel
perfekt durchgestylt und runderneuert.

Poppig bunte Erektionspumpen
im Colani-Design und Dildos
im iMac-Look locken zum Kauf.

Geschmackvoll verpackt und befreit
vom Image des Schmuddeligen.

Aufblasbare Gummipuppen, vollgestopft
mit dem geballten Know-how
russischer Langzeitkosmonauten, warten mit drei
naturgetreu nachgestalteten Körperöffnungen auf
den einsamen Liebsten.

Sie können sogar stöhnen
und per Kabelsteuerung
mit dem Unterleib zappeln.

Raffiniert konstruierte Lustgrotten
empfehlen sich für den schnellen Gebrauch
zwischendurch.

Ob im Büro oder in der Bahn.

Die neueste Generation dieser faustgroßen Lustspender
surrt lautlos und trotzdem kraftvoll
vor sich hin.

Ein geradezu faustisches Vergnügen.

Es macht also wieder Spaß
in einen normalen Sex-Shop einzukaufen.

So weit so gut...

Doch nun die schlechte Nachricht:
umfangreiche Recherchen haben ergeben -
den meisten der Produkte mangelt es
an Qualität.

Nähte platzen schon beim dritten Mal.

Kaputte Motoren sind keine Seltenheit
und angeblich wasserdichte Dildos,
bescheren dem Benutzer unter der Dusche
einen netten Stromschlag im Lustzentrum.

Was tun? Reklamieren?

Mit dem Kassenbon zum Verkäufer gehen
und den Hergang erklären?

Den Hersteller auf Schmerzensgeld verklagen?

Möglich, doch wer macht das schon.

Aus diesem Grund gibt es
in dieser Branche in keiner Firma
eine Reklamationsabteilung.

Sie wird schlicht nicht gebraucht.

Wenn Stiftung Warentest anfangen würde,
mal endlich interessante Produkte zu testen
wäre das Ergebnis wahrscheinlich verheerend.

Darum ist es besser,
wenn sie ihren noppengezackten Gummiring
per Katalog bestellen.

Sie sitzen ungestört zu Hause
und müssen vor dem Dildo-Sortiment nicht
betont uninteressiert vor sich hin blicken.

Und wenn ihnen die schicke Latexhose
nicht paßt, die sie vor 24 Stunden
per Express geordert haben,
können Sie sie wieder zurückschicken.

Per Post und ganz anonym.

Aber vielleicht haben sie
mit ihrem Wollust-Set "Made in China"
ja Glück und noch viele ungetrübte Stunden
der Lust vor sich.

Ich würde es Ihnen wünschen.

Doch bei alledem bleiben Sie mir ja
anständig, moralisch und sauber
und grüßen Sie mir alle,
die Sie barfuß treffen.

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