Sehen

Das Gartenhaus, im Sommer 1714

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Mein kleines Gartenhaus
ist schon arg beansprucht.
Genauso wie ich.

Wer wird wohl als nächste kommen?
Ich liebe Überraschungen.
Sie mischen sich ja immer.

Ich liebe im Verborgenen zu lieben.
Ich liebe Vielfalt.

Wenn ich so an gestern denke.
Diese überraschende Freude
bei der Enthüllung.

Kräftige Schenkel wie ich sie mag.

Und das offene schwarze Haar,
was sich zeigte –
unter der strengen Bedeckung.

Und immer wieder diese –
na, Unterkleider kann man´s
nicht gerade nennen.

Aber dann – schließlich die gänzliche Entblößung,
die gänzliche Nacktheit.

Dann die Verlegenheit –
immer wieder diese
aufreizende Verlegenheit.

Ob gespielt, oder echt.
Mir ganz egal.

Sie sind ja sowas von…
Was sollen sie auch tun,
sie sind auch nur
naturgesteuerte Geschöpfe.

Und was ich ihnen zu bieten habe –
können sie sich nicht bieten.

Nun denn, als Gärtner
in diesem süßen Gartenhaus
geht es mir doch ausgezeichnet.

Ich danke dem Prior von St. Augustin
herzlich für seine Vermittlung.

Aber schließlich bin ich ja
der Neffe seines Bruders.

Zumal er mich auch als jung und schön
angepriesen hat.

Ich und Gärtner… Naja, jetzt im Sommer
ist es am schönsten,
dann wollen sie nicht einmal
zugedeckt sein –
beim Akt.

Im letzten Winter 1713,
war es so kalt,
daß ich selbst noch Lammfelle
über die Bettdecken legen mußte,
damit man darunter alles so verrichten konnte,
wie man´s gewohnt ist,
wie man´s liebt
und ohne daß sie frieren mußten.

Obwohl in meinem Schlafgemach
im Winter immer
ein loderndes Feuer
im Kamin brennt.

Ja, gestern war´s besonders schön.
Eine solche süße Molligkeit
hätte ich nicht
unter ihrer Bekleidung vermutet.

Und eine Haut, so weiß und glatt
und wohlriechend.

Ich konnte mich nicht satt
an ihr laben.

Und ihr dicker Busen…
und ihre nasse Feuchte
zwischen ihren Beinen –;
und dann das,
was sie alles mit mir gemacht hat.

Sowas von ordinär! Woher hat sie bloß
diese Erfahrungen her,
bei ihrem noch so jungen Alter?

Aber ja, da war doch was
mit dem…

Und dann hat ihr Vater,
der Baron von G.
sie hiererbringen lassen.

Vonwegen Verhütung eines Skandals.
Gut drei Jahre her.

Ach je, jetzt fällt´s mir wieder ein.
Die 30 sind übermorgen voll.

Es kommt dann morgen noch eine Junge,
die 29ste –,
und dann…

Aber Vereinbarung ist Vereinbarung.
Alle oder keine.

Mein Schaden ist es ja nicht.

Doch ich darf heute gar nicht
an übermorgen denken.

Dann ist die Runde soweit durch…
und dann…
kommt wieder Schwester Oberin.

Sie ist die Schlimmste von allen.
Was die mir abverlangt…
da kann ihr keine
ihrer süßen Nönnchen
das Wasser reichen.

Nur daß sie so unverschämt dick ist,
gar nicht gut riecht,
über fünfzig,
und mir immer –
aber auch immer –,
dabei wehtut.

Das einzig Gute dabei –
sie lädt mich danach so vornehm zu Tisch,
und wir schlemmen
und saufen Rotwein in Fülle.

Das wiegt vieles wieder auf.

Was soll´s, alle oder keine.

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