Sehen

Das Mondauge

André Pfoertner

Da!
Da liegt sie im Gekuschel
Ihrer Kissen!
Oh, Sie sollte wissen,
Diese Venus in der Muschel,
Diese Schöne,
Daß sie mich verwöhne
Durch den Anblick dieses Anblicks
Durch das Glücke dieses Glücks!
Ach, ich wär’ bei ihr so gerne,
Doch ich bin unendlich ferne
Und mein Auge ist der Mond,
Über den sich nun die Wolke schiebt;
Doch der flücht’ge Blick hat sich gelohnt!
Zu grob sind für sie selbst Daunen.
Wer sie sieht, der kann nur staunen,
Daß es derart Schönes gibt.
An durch sie geweihter Stätte
Angeschmiegt an sie ihr Bette -
Weit entfernt spielt Klarinette.
Ihr Körper skizziert
Bizarre
Bilder
Auf die Decke.
Ich bin fasziniert,
erstarre
In wilder
Lust und lecke
Mit meinen Silberstrahlen am Leinen.
Und es ist, als würde sie erscheinen
In einem Feueropal.
Sie zu seh’n hat sich gelohnt -
Milde lächelt dazu der Mond;
Doch mein Mondblick trübt sich
Und mein Radiowecker übt sich
Morgengymnastisch
Im Raum!
Ach, war das plastisch!
Ach, süßer Traum!

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