Sehen

Das Sofa - Der Eifersucht der Madame Gisela

Tom Thomson

Ich habe als Mensch und als Sofa
schon einiges gesehen,
aber dass Madame Gisela
eifersüchtig wird,
ist mir auch neu.

Wenn es Ihnen komisch vorkommt,
wie ein Sofa sprechen kann —
nun, ich war früher ein Mensch,
bin aber von einem Dschinn
in ein Sofa verwandelt worden
und friste nun in diesem Bordell
mein Leben.

Es ist Wochenende, und ein Bordell kennt keinen Ruhetag.
Aber an diesem Wochenende
scheint nicht sehr viel los zu sein.

Alle sitzen da und warten darauf,
dass irgendetwas geschieht.

Da klingelt es an der Tür,
ich höre aufregendes Geschnatter
und ahne,
wer gleich zur Tür hereinkommen will.

Und tatsächlich: Es ist der junge Schallplattenverkäufer
von letztens,
der Madame Gisela
für ein paar Platten,
die er ihr angedreht hatte,
ordentlich durchgebumst hat.

Madame Gisela war durchaus angetan von ihm
und sitzt jetzt aufmerksam im Salon
und wartet,
was dieses Mal geschieht.

Der junge Schallplattenverkäufer
stellt sich neben das Grammophon
und legt eine neue Platte auf.

Das Interessante daran:
Er guckt Madame Gisela gar nicht an,
sondern lächelt Mizzi zu.

Unsere Puffmutter ist zuerst ein bisschen amüsiert,
aber als sie merkt,
dass er weiterhin nicht an ihr interessiert ist,
sondern Mizzi zurückflirtet,
wird sie zunehmend gereizt.

Ich merke: Die Eifersucht beginnt in ihr zu brodeln.

Nun, es kommt, wie es kommen muss.
Es dauert nicht lange,
da schnappt sich Mizzi
unseren jungen Burschen
und schleift ihn ins Zimmer,
wo ich stehe —
und beide landen auf mir.

Sie reißt ihm die Hose runter
und fängt an,
ihn leidenschaftlich zu bumsen,
ihre Augen strahlend.

Auch er ist von Mizzi höchst angetan,
denn ich merke,
wie er kräftig gegenstößt —
und huuuh,
diese Nummer macht mich selbst an.

Ich fange an, synchron mit beiden zu wippen,
und meine Sprungfedern schnarren erregt
und quietschen vor Vergnügen.

Madame Gisela tut im Raum geschäftsmäßig,
beißt sich aber innerlich
vor Eifersucht fast auf die Lippen.

Oh, diese Situation ist durchaus eine,
die mich ein bisschen schadenfroh macht.

Ich muss grinsen darüber,
dass Madame Gisela kurz vor der Explosion steht —
ich glaube,
sie hat sich ein bisschen
in den Schallplattenverkäufer verliebt.

Aber es ist, wie es ist.

Der junge Mann geht,
Gisela ist schlecht gelaunt,
ich bin wie immer nicht gekommen,
dank des beschissenen Fluchs des Dschinns,
der mir Erregung erlaubt,
aber keine Erfüllung
in einem Orgasmus.

Und Gisela, die auch keinen bekommen hat,
schnauzt die Mädchen an.
Für sie ist der Tag gelaufen.

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