Sehen
Das Sofa - Der Herr Offizier
Vor kurzem hat noch ein Beamter
auf mir herumgehampelt — ja,
auf mir, einem Sofa,
das vor noch nicht allzu langer Zeit
eine Frau aus Fleisch und Blut gewesen ist.
Ich dachte mir, dass der Fluch
dieses Djinns wirklich teuflisch gut
durchdacht war.
Inzwischen ist einige Zeit vergangen,
ich habe mich etwas beruhigt
und warte auf den nächsten Kunden.
Nun, ich bin ein Sofa
in einem Bordell — worauf soll ich schon warten,
außer darauf, dass jemand kommt,
eine Hure nimmt,
sich auf mir vergnügt
und wieder abdampft.
Ich höre den Betrieb im Salon.
Da knarrt die Tür.
Die Puffmutter Gisela — bittet
einen preußischen Offizier ins Zimmer
und schickt Hilde hinterher.
Der Offizier macht eine exakte Verbeugung
vor der kleinen Prostituierten,
zieht die Hose aus,
und man sieht einen kleinen, dünnen,
aber kräftig erigierten Schwanz salutieren.
„Gestatten, meine Dame“, sagt der Offizier,
„mein Säbel ist parat.“
Hilde grinst, kniet sich vor ihm nieder
und knetet ein bisschen an seiner Nudel herum.
Dann sagt sie: „Marsch, marsch aufs Bett, Herr General.“
Der Offizier grinst
und lässt sich auf mich fallen.
Ich spüre eine Feder
in meinem Sofa-Leib
und muss vor Schmerzen quietschen.
Hilde legt sich zu ihm
und fängt an, heftig
an seinem kleinen Schwanz herumzunuckeln.
Ich höre, wie er zufrieden grunzt
und quiekt,
als wäre er ein kleines Ferkel.
Ich habe noch nie gesehen,
wie ein Mann sich beim Sex
derart weibisch verhalten hat.
Erregung kommt bei mir
in diesem Augenblick nicht auf.
Ich bin ein bisschen fasziniert
und ein bisschen angeekelt
von dem, was da passiert.
Hilde hat einen leichten Job.
Ich merke, wie der Herr Offizier
sich in Hildes Mund entlädt —
ein Gurgeln,
als hätte er sich verschluckt,
und ein zufriedenes Schnaufen.
Hilde dreht sich um,
und ich bemerke, wie sie
in einen kleinen Topf neben dem Sofa
den ganzen Schmadder ausspuckt,
ohne dass der Herr Offizier es mitbekommt.
Er liegt im Orgasmus-Koma
und ist außerstande, sich zu bewegen.
Da kommt die Puffmutter Gisela wieder herein,
schnappt sich den Herrn Offizier,
reißt ihm die Hose hoch,
damit er sich anziehen kann
und Platz für den nächsten Kunden macht.
„Time is money“, murmelt sie
und schiebt den Herrn Offizier hinaus
in den Salon.