Sehen

Das Sofa - Der Schallplatten-Verkäufer

Tom Thomson

In einem Bordell liegen Vergnügen
und Geschäft ziemlich nah beieinander
— und manchmal auch auf ganz andere Art und Weise,
als man vielleicht denkt.

Wenn Sie fragen, woher ich das weiß:
Nun, ich bin ein Sofa,
auf dem die Freier mit den Huren ihren Spaß haben.

Ich war früher eine Frau,
wurde von einem Dschinn in ein Möbelstück verwandelt
und friste jetzt hier mein Dasein.

Im Moment ist ein ruhiger Nachmittag.
Madame Gisela sitzt im Salon
und macht die Buchhaltung.

Die meisten Mädchen ruhen sich aus
und schwatzen ein bisschen miteinander.

Da klingelt es an der Tür,
und herein kommt ein junger,
recht attraktiver und,
so wie es aussieht,
auch redegewandter Schallplattenvertreter.

Die Mädchen sind ganz angetan.
Er stellt einen großen Koffer voller neuer Schallplatten
auf den Tisch.

Er ist charmant, und man merkt schnell,
dass er ein guter Verkäufer ist.

Er spielt Madame Gisela die neuesten Schlager vor:
Charleston,
Jazz,
die aktuellen Hits der Saison.

Gisela hört interessiert zu,
ist aber noch nicht überzeugt.

Und da wird der junge Mann mutiger.
Er fordert sie zum Tanzen auf
und sagt,
nur so könne sie spüren,
wie gut die Musik wirklich ist.

Und das sei doch auch ganz in ihrem Sinne
— wenn im Salon die Hüften kreisen,
sorgen die Animierdamen schon dafür,
dass die Herren nicht nur auf die eine Art und Weise befriedigt werden,
sondern dass auch ordentlich Champagner über die Bar geht.

Madame Gisela merkt,
dass der junge Mann durchaus etwas vom Geschäft versteht,
und lässt sich darauf ein.

Teils amüsiert, teils geschäftlich kalkulierend.

Der junge Mann ist nicht nur ein guter Verkäufer,
sondern auch ein guter Tänzer.

Und so dreht und wirbelt er Madame Gisela
— die als Puffmutter nicht mehr die Jüngste ist,
sich aus dem aktiven Geschäft längst zurückgezogen hat
und nur noch die Chefin gibt —
durch den Salon.

Tanzend landen die beiden in meinem Zimmer.
Mit einem Tritt nach hinten knallt der junge Verkäufer die Tür zu,
sodass die Mädchen draußen bleiben
und er allein mit Madame Gisela im Zimmer ist.

Ich beobachte Gisela:
Sie genießt es,
bleibt aber die Chefin.

Sie lässt ihn machen,
aber ich spüre,
dass die Bewegungen und die Wärme sich langsam auf sie übertragen.

Ich bin neidisch auf Gisela
— ich würde jetzt eigentlich gern mit diesem jungen Mann tanzen.

Und ich bin amüsiert über seine Verkaufsstrategie,
gleichzeitig ein bisschen frustriert,
weil ich weiß,
gleich wird Madame Gisela sich mit ihm auf mir wiederfinden.

So ist es auch. Halb sinkt sie hin,
halb zieht sie ihn.

Der junge Mann macht seine Sache gut.

Madame Gisela kommt mit einem lauten Schrei
— und ich glaube,
der ist echt und nicht gespielt.

Der junge Mann spritzt ordentlich ab,
so wie es sich gehört.

Und die in Verhandlungsfragen eigentlich hartgesottene Madame Gisela
lässt sich erweichen
und kauft tatsächlich ein paar Platten.

Und ich denke mir: Na ja,
wer war jetzt hier die Hure?

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