Sehen

Das Sofa - Die Renovierung

Tom Thomson

Wenn Sie sich fragen,
wie ein Möbelstück wie ich
mit Ihnen sprechen kann — nun,
ich war früher auch eine Frau
und wurde in ein Sofa verwandelt,
das jetzt in einem Bordell steht.

Und die Puff-Madame Gisela
hat einen neuen Spleen.
Sie will das ganze Etablissement
pompejanisch rot renovieren,
weil sie der Meinung ist,
sie müsste einen neuen Anfang machen,
um nicht nur die Stammkunden,
sondern auch neue Kundschaft
zu organisieren.

Zwei Tapezierer werden angestellt:
Herr Pawlitschek,
ein älterer Meister,
und sein junger, nervöser Geselle.
Sie sollen mich optimal platzieren.

Gisela lässt sie mich
den ganzen Tag
durch das Bordell tragen.

Erst in die Ecke? Nein, das sieht nicht gut aus,
sagt sie.

Dann ans Fenster? Irgendwie ist das Sofa höher
als der Fensterrahmen,
so wird das nichts.

Dann neben den Ofen?
Da trocknet mir das gute Stück
nur aus.

Dann wieder zurück.

Zehn Zentimeter weiter nach links?
Sie schüttelt den Kopf.

Jedes Mal, wenn die schwitzenden Männer
mich abstellen,
kommt Madame Gisela,
betrachtet das Ergebnis
und sagt:
„Ach, hätten Sie die Güte,
das Sofa etwas weiter nach links
zu platzieren?“

Die Handwerker werden immer genervter.
Ich höre,
wie sie leise fluchen.

Der Ältere hat Rückenschmerzen.
Der Jüngere murmelt:
Die Alte spinnt doch.

Und ich? Ich muss das alles
körperlich ertragen.

Dieses ständige Anheben,
das Ruckeln,
das Wiederabstellen.

Ich werde noch seekrank
von dem ganzen Hin-
und Hergewerfe.

Ich merke, dass Rami,
der Dschinn,
der mich verflucht hat
und neben mir in einer Lampe haust,
sich kaputtlacht.

Madame Gisela wird immer hektischer.

Und ich bemerke auf einmal:
Da stimmt etwas nicht.

Mir kommt ins Gedächtnis,
dass eines der Mädchen
geflüstert hat,
es gebe eventuell
einen finanziellen Ruin.

Sie wird immer hektischer,
herrischer
und unzufriedener.

Plötzlich stehe ich
in der Mitte des Raumes,
unter der Lampe.

„Ach“, sagt sie, umwandert mich,
betrachtet mich skeptisch,
„könnten Sie mich da
in die eine Ecke stellen?“

Witzigerweise da, wo ich auch vorher stand.

Die Handwerker erklären:
„Na gut, das eine noch.“

Dann schaut mich Gisela an
und sagt:
„Ach, neben der Tür vielleicht?“

Die Handwerker sagen:
„Nein, Streik.
Da bleibt stehen.
Wir rücken nicht weiter,
wir können nicht mehr.“

Madame Gisela kommt zu mir heran
und sagt:
„Vielleicht nur noch
zehn Zentimeter nach rechts.“

Mürrisch schieben beide mich
zehn Zentimeter nach rechts,
und ich stehe exakt da,
wo ich all die Monate schon stand.

Und nun bin ich erschöpft
und denke:
Lasst mich einfach nur
in Ruhe stehen.

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