Sehen

Das Sofa - Falschgeld

Tom Thomson

Mein Name ist Lotte,
und ich bin ein Sofa.

Jetzt werden Sie sich fragen:
Woher hat ein Sofa einen Namen?

Nun, ich war mal eine Frau,
eine Frau aus Fleisch und Blut,
wurde aber von einem Dschinn
in ein Möbelstück verwandelt —
in eben jenes Sofa,
das jetzt in einem Bordell steht
und darauf wartet,
dass Kundschaft vorbeikommt.

Viele denken, dass es in einem Bordell zugeht
wie in einem Taubenschlag,
aber weit gefehlt.

Die meiste Zeit sitzt man rum
und wartet.

Dann geht plötzlich die Tür auf,
die Leute strömen rein —
sozusagen zur Hauptstoßzeit —,
und kurze Zeit später
ist alles wieder leer.

Oder aber: Man wartet,
dann klingelt es,
und es kommt eine einzige Person.

Und die Mädchen schlagen sich
um diesen einzigen Kunden —
denn sie werden hier
für Leistung bezahlt
und nicht für Anwesenheit.

Heute ist so ein Tag,
an dem wieder alle warten.

Ich döse vor mich hin,
dann kommt das erlösende Klingeln,
und wir wissen:
Oh, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kunde.

Und ja, es kommt ein Mann herein,
beleibt,
etwa vierzig,
ich würde sagen wohlhabend,
und wedelt mit seiner Brieftasche herum.

Er erwartet höchst ausgefallene
sexuelle Dienstleistungen.

Nun, ich weiß:
Die Mädchen sind grundsätzlich zu allem bereit,
wenn es Geld dafür gibt —
und extra kostet immer extra Geld.

Und der Mann scheint
mit Geld gut gesegnet zu sein.

Also gibt es keinerlei Vorbehalte.

Er will zum Beispiel,
dass sich eine auf seinen Mund setzt
und ihm in den Mund pinkelt,
während er gleichzeitig
eine andere vögelt.

Ich bin ein bisschen entsetzt
und denke mir:
Doch bitte nicht auf mir,
wenn er nicht alles schlucken kann.

Ich habe doch keine Lust,
vollgepisst zu werden.

Und dann möchte er noch,
dass die Damen ihn
mit dem Finger an der Prostata verwöhnen,
während er gleichzeitig
eine andere vögelt.

Nun gut, bei diesem Herrn wird es also
keinen großen Streit geben,
wenn er gleich mehrere Damen
für ihre Dienste belohnt.

Kaum sind sich alle einig,
ist er auch schon splitterfasernackt,
und die anderen Mädchen auch.

Kaum ist er auf der Couch
und knutscht mit der Ersten herum,
während er die Zweite darauf hinweist,
dass sie seinen Arsch küssen soll,
kommt die Puffmutter Gisela
wutentbrannt ins Zimmer gestürzt.

Sie schnappt sich den Mann am Ohr,
schleift ihn nackt,
wie er ist,
hinaus und brüllt:
„Du Schwein wolltest mir Falschgeld andrehen,
du Hurensohn!“

Und mit weiteren Flüchen
befördert sie ihn —
und das kann Madame Gisela,
denn sie ist keine zarte Person —
ins Treppenhaus
und schmeißt ihm sein Geld hinterher.

Die Mädchen schauen schockiert,
ziehen sich achselzuckend wieder an
und verschwinden im Salon.

Ich bleibe allein zurück
und denke mir:
Das hätte heiter werden können.

Mit Falschgeld Nutten bezahlt —
das habe ich auch noch nicht erlebt.

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