Sehen

Das Sofa - Griechische Liebe

Tom Thomson

Das Boudoir befindet sich in Grunewald. Ich bin also ein Stückchen weit in Berlin herumgereist. Die Hausherrin, Frau Bohle, ist eine attraktive achtunddreißigjährige Frau, die sehr genau weiß, was sie will – und die, obwohl sie verheiratet ist, nicht abgeneigt ist, den einen oder anderen zu vernaschen. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, woher ich das weiß. Nun, ich bin ein Möbelstück, war früher ein Mensch, habe immer noch Empfindungen und kann alles beobachten. Wie ich es mache, weiß ich nicht; ich weiß nur, dass ich es kann. Sprechen kann ich allerdings nicht, jedenfalls nicht zu Menschen.

Und so stehe ich in diesem Boudoir. Frau Bohle sitzt am Klavier und lässt sich von dem jungen Klavierlehrer Sebastian das Klavierspielen beibringen. Aber ich glaube, daran hat sie gar kein so großes Interesse. In Wirklichkeit ist sie auf diesen jungen Kerl scharf. Fast mädchenhaft sind seine Züge – ein schöner Mann, aber etwas Feminines steckt in ihm. Schüchtern ist er auch. Und während er ihr vorspielt, um ihr zu zeigen, was sie spielen müsste, fummelt sie ihm am Oberschenkel herum. Er versucht, es zu ignorieren, aber ich merke, dass sich in seiner Hose eine riesige Beule bildet. Die Fingerchen von Frau Bohle tippen auf ihm mit weit mehr Talent herum als auf den Tasten.

Irgendwann reicht es ihr, sie schnappt sich den Kerl und fängt an, ihn zu küssen. Es ist eigentlich kein Küssen, es ist ein fast schon vulgäres Knutschen. Sie steckt ihm einfach die Zunge in den Mund. Er versucht zu protestieren, was ihm aber nicht sonderlich gelingt. Und kurze Zeit später liegen beide auf mir. Sie zieht ihm die Hose aus, greift sich sein bestes Stück und beginnt ein kleines Flötenkonzert.

Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, aber nach ein paar Minuten steht der Herr Gemahl in der Tür und schaut, was die beiden so treiben. Und es verwundert mich überhaupt nicht, dass er den Gürtel löst. Man hört einen kleinen Knall, weil er mit dem Gürtel wie mit einer Peitsche schlägt. Aber er verhaut den Jungen nicht, er wirft ihn auch nicht aus der Wohnung – nein, er erpresst ihn ein bisschen. Ich glaube, das Ganze war geplant.

Und schon muss der junge Klavierlehrer zwischen die Schenkel seiner Schülerin, die weitaus älter ist als er. Er muss ihr den Schoß ausschlecken, den Hintern in die Höhe recken, während der Herr Gemahl es ihm sorgsam von hinten besorgt. Oh, ein netter kleiner Dreier mit griechischer Liebe – das habe ich lange nicht erlebt. Aber ich glaube, das ist etwas, was ich hier öfter zu sehen bekommen werde.

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