Sehen

Das Sofa - Hilde & Mizzi

Tom Thomson

Hilde und Mizzi sitzen auf mir
und streiten sich.

Wenn Sie jetzt fragen,
wie es sein kann,
dass die beiden auf mir sitzen,
obwohl ich doch jemand bin,
der zu Ihnen spricht —
nun, ich bin ein Sofa,
verzaubert von einem Dschinn,
und war früher einmal
eine junge Frau.

Jetzt stehe ich in einem Bordell
und erlebe
die seltsamsten Abenteuer.

Im Moment geht es darum,
dass Hilde und Mizzi
sich nicht einigen können,
wer den Stammkunden
Herrn Brettschneider bekommt.

Er ist ein rundlicher,
jovialer Tuchhändler,
der einmal im Monat vorbeikommt,
großzügige Trinkgelder verteilt
und nie um den Preis feilscht.

Mit anderen Worten:
ein äußerst beliebter Gast
des Hauses.

Madame Gisela hat ihn angekündigt,
und schon ging das Theater los.

Hilde war als Erste im Zimmer,
zupfte ihr Kleid zurecht
und postierte sich neben mir,
als gehörte ihr der Laden.

Dann kam Mizzi herein,
sah Hilde,
und ihr Blick wurde augenblicklich
so süß und so giftig zugleich,
wie nur ein Blick
unter Kolleginnen es sein kann.

„Ach Hilde“, seufzte Mizzi honigsüß,
„ich dachte,
du machst heute früher Schluss.
Du siehst nämlich so müde aus.
Du hast solche Augenringe.“

„Wie reizend von dir,
dich um mich zu sorgen“,
gab Hilde zurück.

„Aber Herr Brettschneider mag es,
wenn er eine Frau
mit ein bisschen Erfahrung hat —
nicht so ein halbes Kind,
das noch komplett unterentwickelt ist.“

Herr Brettschneider,
der gerade hereinkam
und den letzten Satz noch hörte,
verstand sofort die Lage
und strahlte über das ganze Gesicht.

„Aber meine Damen“,
sagte er
und ließ sich behaglich
auf mir nieder,
„es ist doch genug Brettschneider
für alle da.“

Und dann begann das Schauspiel.

Hilde setzte sich rechts neben ihn,
Mizzi links,
und beide begannen
um seine Gunst zu buhlen.

Hilde legte ihm die Hand
auf die Brust,
Mizzi schob sie
scheinbar versehentlich
mit dem Ellenbogen weg.

Herr Brettschneider sagte:
„Ach, in diesem Monat
liefen die Geschäfte sehr gut.
Wie wäre es denn,
wenn wir uns zu dritt
vergnügen würden?“

Ich lag da und dachte:
Oho, ein Dreier.
Ob Hilde und Mizzi
da mitmachen?

Aber wenn das Geld winkt,
sind Frauen zu allem bereit —
vor allen Dingen solche wie Mizzi und Hilde.

Sie guckten sich an,
lächelten süß
und sagten:
„Warum nicht?
Wir haben uns ja auch sehr gern.“

Oho, dachte ich, jetzt werden sie ihm wohl
eine kleine lesbische Nummer
zum Anheizen präsentieren.

Genau so kam es.

Und was muss ich sagen —
es hat mich erregt.

Aber wie immer kam ich nicht zum Orgasmus.
Verfluchter Dschinn.

Und so blieb mir nichts übrig,
als zuzusehen,
wie Hilde Herrn Brettschneider ritt,
während Mizzi sich keck
auf seinen Mund setzte
und sich genüsslich auslecken ließ.

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