Sehen

Das Sofa - Klavierstunde

Tom Thomson

Es ist Freitagnachmittag. Es ist ein angenehmer Sommertag, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Einer der wenigen schönen Tage, die Berlin hat. Und wer das Berliner nasskalte Wetter kennt, weiß, was ich meine. Frau Bohle und ihr Mann sind außer Haus. Interessanterweise sitzt Karl am Klavier und versucht, Marlene ein bisschen das Klavierspielen beizubringen. Ich weiß, dass die Bohles eine sehr moderne Familie sind und ich kann mir nicht vorstellen, dass man den Klavierlehrer, mit dem man selbst gefögelt hat, einfach so mit der eigenen Tochter alleine im Hause lässt. Ich habe so ein bisschen das Gefühl, das ist arrangiert, so als wollte man die Tochter über den Klavierlehrer ins Sexleben einführen. Nun weiß ich ja aus der Beobachtung, dass die Tochter Marlene alles andere als keusch ist. Aber ich habe sie ja nur beim Masturbieren erlebt. Und jetzt sitzt sie brav neben Karl und lässt sich erklären, wie man Klavier spielt. Sie tut schüchtern, er tut schüchtern und ich merke aber die Spannung, die sich zwischen beiden aufbaut. Ich frage mich, wer als Erster die Grenze überschreitet und man kann förmlich spüren, dass beide Lust darauf haben. Und dann ist es Marlene. Sie lässt einfach unbeabsichtigt ihre Hand auf seinen Oberschenkel gleiten, so als wäre sie aus Versehen von der Klaviertastatur abgerutscht. Er lässt es geschehen, sie dreht sich zu ihm, greift seinen Kopf und beginnt ihn zu küssen. Erst ein bisschen frech und dann immer hemmungsloser und unverschämter. Und dann schnappt er sich sie, ich glaube er hat Mut bekommen, schmeißt sie auf mich aufs Sofa, springt hinterher und es beginnt eine wilde Rumknutsch-Rauferei übereinander abtastend. Aber sie bleiben angezogen. Herrje, denke ich mir. Vögeln ist ein bisschen schwierig mit Klamotten. Kommt, zieht euch aus, meine Lieben. Ich will ja auch etwas davon haben. Und ihr seid doch schon lange scharf aufeinander. Nun macht's aber auch, denke ich mir und schimpfe innerlich mit beiden. Da knarrt es draußen an der Wohnungstür, beide schrecken auf und ich denke mir, oh Gott, jetzt kommen die Eltern nach Hause viel zu früh. Wahrscheinlich haben die Eltern gedacht, die beiden sind ein bisschen schneller zugange. Wahrscheinlich war der Herr Klavierlehrer auch nicht eingeweiht darin, dass er die Tochter verführen soll. So haben beide ein schlechtes Gewissen, springen auf, zerren die Kleidung zurecht, setzen sich wieder ans Klavier und tun so, als wenn sie üben. Frau Bode öffnet die Tür, schaut rein, nickt und geht wieder und ich denke mir, Herrje, so kann das nichts werden.

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