Sehen

Das Sofa - Onkel und Nichte

Tom Thomson

Ich bin ein Sofa
und stehe in einem Bordell.

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern,
wie viel Zeit ich hier schon verbracht habe.

Man muss dazu sagen:
Ich war mal eine Frau
und wurde von einem Dschinn namens Rami
— der mittlerweile in einer Öllampe wieder neben mir steht —
aus einer Frau in ein Sofa verwandelt.

Aber was ich heute erlebe,
ist mir auch noch nicht untergekommen.

Es ist ein ruhiger Abend.

Da kommt ein gut gekleideter Herr mittleren Alters
— ich schätze mal so fünfundvierzig bis achtundvierzig Jahre —
ins Bordell.

Die Puffmutter Gisela schickt ihm eines der Mädchen:
eine junge, hübsche Prostituierte namens Silvana.

Jedenfalls heißt sie so hier im Bordell.

Sie betritt das Zimmer,
und plötzlich merke ich:
Hier stimmt etwas nicht.

Peinliches Schweigen.

Und dann begreife ich:
Oh, oh, oh —
der Onkel und seine Nichte.

Beide erkennen sich
und fragen sich:
Wie geht es jetzt weiter?

Sie weiß, dass er mit ihrer Lieblingstante verheiratet ist.

Er weiß, dass ihr Vater nicht weiß,
dass sie hier im Bordell arbeitet.

Der Onkel ist erregt.

Die Nichte ist es auch —
allerdings nicht aus erotischen Gefühlen,
sondern aus Scham und Trotz.

Sie beschließen, es trotzdem zu tun,
und versichern sich gegenseitig:
einmal und nie wieder.

Sie klettern auf mich
und fangen an,
sich auszuziehen.

Und jetzt wird's komisch.

Ich merke, dass es den beiden anfängt,
Spaß zu machen.

Es ist aber ein Spaß,
der aus der Situation entsteht:

dass sich beide gegenseitig belauern.

Einerseits, dass sie es tun —
andererseits,
dass sie verwandt sind.

Und dann noch die Frage,
ob es dem anderen auch Spaß macht.

Vor allen Dingen Silvana will wissen,
ob sie ihren Onkel um den Finger wickeln kann.

Irgendwann merke ich,
wie der Onkel auf Silvanas Arsch klatscht.

Und Silvana ist nun eine,
die so etwas geil findet.

Und so ficken beide auf mir,
und ich —
ich werde auch erregt.

Inzest ist so herrlich verdorben.

Er bumst sie richtig hart
und kommt schreiend in sie.

Und ich, ich fluche,
denn der Dschinn hat es mir verwehrt,
einen Orgasmus zu bekommen.

Ich ächze mit meinen Federn laut auf.

Und dann brüllt auch Silvana ihren Orgasmus heraus.

Nachdem beide fertig sind,
beginnt aber dieses lauernde Spiel von neuem.

Sie fangen an, sich gegenseitig zu erpressen.

„Wenn du ein Wort sagst,
erzähle ich alles deiner Frau.“

Und er kontert: „Und ich erzähle es deinem Vater.“

Ich beobachte das Ganze
mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit,
Ekel,
Erregung
und ein bisschen auch Belustigung.

Alles bleibt in der Familie,
sage ich mir —
sogar hier.

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