Sehen
Das Sofa - Prolog
Ich bin ein Sofa.
Das ist insofern bemerkenswert,
als ich ursprünglich ein Mensch war.
Dummerweise wurde ich von einem Dämon
in ein Sofa verwandelt —
und zwar in eines,
das sich seiner selbst bewusst ist.
Was soll ich Ihnen sagen:
Dieses Sofa, also ich,
wurde dazu verdammt,
alles mitzuerleben,
was die Menschen so
an sexuellen Abenteuern
auf mir austragen.
Das war der Fluch, mit dem mich der Dämon belegte —
dass ich gezwungen bin,
das ganze Treiben hautnah
mitzubekommen.
Ich werde Ihnen ein paar Geschichten erzählen,
und ich werde Ihnen auch verraten,
warum dieser Dämon mich verwandelte,
was die Strafe war,
womit ich ihn erzürnt hatte.
Vielleicht ist es gut,
wenn ich es gleich am Anfang gestehe:
Ich hatte ihn sexuell überfordert.
Sie müssen wissen, der Bursche hauste tatsächlich
in einer kleinen Öllampe,
ganz wie aus Tausendundeiner Nacht.
Diese Lampe hatte ich
auf einem kleinen Markt in Berlin erstanden,
für ein paar Euro nur,
die ein Ramschladenbudenbesitzer
von mir verlangt hat.
Vielleicht wusste er,
welches Geheimnis darin steckte.
Jedenfalls kaufte ich sie,
füllte sie mit Öl,
zündete sie an
und löste —
ich weiß bis heute nicht, wie —
den Mechanismus aus,
mit dem der Djinn zum Leben erwachte.
Ich bin eine Frau. Oder genauer:
Ich war eine Frau
und bin jetzt ein Sofa.
Weil ich nun einmal
ein sehr sexuell unersättlicher Mensch war,
verlangte ich von diesem Dämon,
er möge mir regelmäßig zu Diensten stehen —
als mein privater Sexlustknabe.
Ich habe es wohl übertrieben.
Nach einer Weile bemerkte ich,
dass seine Anstrengungen,
mich zu befriedigen,
immer geringer wurden.
Und dummerweise ließ ich mich dann
auf einen Deal mit ihm ein.
Sagen wir es so: Ich habe eine Wette verloren.
Und wurde infolgedessen
in ein Sofa verwandelt,
das dazu verflucht ist,
sämtliche amourösen Abenteuer
hautnah mitzuerleben,
die auf ihm vollzogen werden.
Zu diesem kleinen Fluch,
mit dem mich dieser nette,
beschissene Dämon bedachte,
ließ er sich noch eine Zugabe einfallen:
Ich gerate immer schön in Hände,
in denen einiges los ist —
sei es ein Bordell
oder andere Orte,
wo man halt viel vögelt.
Was nun folgt, sind die Geschichten,
die ich als Sofa so erlebt habe.