Sehen
Das Sofa - Rami kehrt zurück
Wenn ich mich vorstellen darf:
Mein Name ist Lotte,
und ich bin ein Sofa.
Jetzt werden Sie fragen:
Wie kann ein Sofa
einen Namen haben?
Nun, ich war früher einmal ein Mensch,
eine Frau aus Fleisch und Blut,
und wurde von einem Dschinn namens Rami
in dieses Sofa verwandelt.
Jetzt friste ich mein Leben
in einem Bordell.
Wir schreiben das Jahr 1927,
die goldenen Zwanziger.
Und am 14. September 1927
geschieht etwas,
woran ich mich noch sehr lange erinnern werde.
Die Puffmutter Gisela kommt herein
und trägt eine Öllampe,
die sie auf den Beistelltisch neben mir stellt.
Sie ist ganz verzückt
und betrachtet ihr neues Accessoire.
Sie dreht und wendet die Lampe,
bis sie mit der Position zufrieden ist,
und geht aus dem Raum.
Ich schaue mir diese Öllampe an
und denke:
Die kennst du doch.
Und ja — es ist die Öllampe,
in der Rami wohnt.
Er materialisiert sich prompt,
setzt sich breitbeinig auf mich
und grinst mich an.
Ich, bisher gut gelaunt,
werde wütend,
fluche und beschimpfe ihn
und frage,
was er sich gedacht hat.
Er lacht und sagt: „Das ist deine Schuld.
Du hast mit mir gewettet
und hast die Wette verloren.
Und ich habe dich ein bisschen beobachtet,
meine liebe Lotte —
deine neuen Liebhaber,
die sich auf dir wälzen,
die dich in Erregung versetzen,
die dir aber leider den Höhepunkt versagen.
Ein höchst amüsantes Schauspiel für mich.“
Ich fluche, ich kotze
und denke mir:
Du Arsch,
dich kriege ich noch,
dich mache ich kirre,
dich werde ich irgendwie reinlegen —
und dann werde ich über dich triumphieren.
Aber noch sitzt er am längeren Hebel,
sitzt auf mir
und wippt
und grinst mich unverschämt an.
Doch da, mit einem Mal,
löst er sich in Nebel auf
und verschwindet in seiner Lampe.
Denn es geht die Tür auf,
und Mizzi tritt ein
mit einem jungen Mann an ihrer Seite.
Und ich denke: Okay,
jetzt geht's auf
in die nächste Bumsrunde.
Und diesmal werde nicht nur ich,
sondern auch Rami Zeuge
dieser Vögelei sein.